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Bronnbacher Musikfrühling
Jahresprogramm 2011

Abschlusskonzert mit Anne Sofie von Otter (am Dienstag, den 31.05.2011)

Bengt ForsbergSvante HenrysonAnne Sofie von Otter

Es ist immer eine zwiespältige Sache, wenn sich Künstler aus dem Bereich der klassischen Musik auf das Gebiet der zeitgenössischen Unterhaltungsmusik oder gar des Jazz wagen. Peter Hofmann beispielsweise, der gefeierte Wagner-Tenor, war mit seinem Rock-Album "Music was my first love" bestenfalls Mittelklasse.

Bei Anne Sofie von Otter musste man sich am Sonntag beim Konzert im Josephssaal in Bronnbach deswegen keine Sorgen machen. Ihr Cross-over-Programm führte, nach Grieg, Sibelius, Brahms und Strauss im ersten Teil, in ähnlich exquisite Gefilde aus dem U-Bereich, quasi ins Kunstlied der Populärmusik. Zum einen, weil die Mezzo-Sopranistin von Otter auch jenseits der Grenzen auf Qualität achtete - wovon die Auswahl der Komponisten vom Kaliber Brad Mehldaus, Elvis Costellos oder Paul McCartneys zeugte. Und zum anderen, weil sie zu ihrem Klavierbegleiter Bengt Forsberg im Crossover-Teil den Cellisten Svante Henryson hinzu bat, der alleine mühelos die Rhythmusgruppe einer Jazz-Combo ersetzte (und mit der "Blues Chaconne" eine virtuose Soloeinlage beisteuerte).

Den ersten Teil des Abends im Kloster hatte die weltweit gefeierte Sängerin dem romantischen Kunstlied gewidmet. Mit ihrer nuancenreichen, mühelos geführten Stimme interpretierte sie Lieder des Norwegers Edvard Grieg und des Finnen Jean Sibelius, die Bengt Forsberg mit einem Impromptu von Wilhelm Stenhammar zur nordischen Triade ergänzte.

Mitten hinein in den Kosmos des deutschen Kunstliedes führten die Lieder von Brahms und Richard Strauss, in denen Anne Sofie von Otter die dynamische Vielfalt betonte. Auch hier fügte Forsberg eine musikalische Miniatur, Strauss' "An einsamer Quelle", ein.

So, wie Anne Sofie von Otter ihre klassischen Lieder gestaltete - schlank, mit verhaltenem Vibrato - war es kein weiter Weg zum Jazz. Bei "Once upon a summertime" oder "Walking my baby back home" zeigte die Ausnahme-Sängerin, dass sie jazzig phrasieren kann, bei "Slap the bass", dass sie auch den Scat-Gesang beherrscht. Dieser zweite Teil lebte aber vor allem vom Aufeinandertreffen ganz unterschiedlicher Stile und Jahrhunderte, von einem Lied des französischen Barock-Komponisten Michel Lambert über die Habanera aus "Carmen" bis zum "Blackbird" McCartneys. Mit Reinhard Meys "Gute Nacht, Freunde" verabschiedete sich Anne Sofie von Otter von einem restlos begeisterten Publikum.

Fränkische Nachrichten, Jürgen Stein

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