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Jahresprogramm 2016

Anne Sofie von Otter (am Samstag, den 10.12.2016)

Konzert: Die weltbekannte Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter begeisterte am Samstagabend im Kloster Bronnbach

Grenzgängerin zwischen den Genres

Von unserem Mitarbeiter Felix Röttger


In die barocken Klangwelten entführte Anne Sofie von Otter mit dem Cembalisten Jean Rondeau (links) und dem Lautenisten Thomas Dunford.

© Röttger

Noch lange nicht genug gehört haben die Liebhaber des Gesangs im Taubertal von der großen schwedischen Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter, die bereits zum vierten Mal auf Einladung ihrer Freundin Clarry Bartha und der "Bronnbacher Kulturen 2016" mit einem Adventskonzert im ausverkauften Josephsaal von Kloster Bronnbach gastierte.

"Als ob ich nach Hause komme"

"Immer, wenn ich Barockmusik singe, fühle ich mich, als ob ich nach Hause komme", sagte von Otter einmal in einem Interview; weil sie auch das Kloster Bronnbach und die Umgebung mag, war die Ankündigung ihrer Gastgeberin vor Konzertbeginn, dass noch weitere Auftritte des Weltstars im Taubertal zu erwarten sind, nicht zu hoch gegriffen.

Mitgebracht hatte der Gesangsstar den Lautenisten Thomas Dunford und den Cembalisten Jean Rondeau; zwei junge und vielversprechende, in Paris geborene Künstler, die schon viele internationale Preise einheimsen konnten und in Bronnbach mit ihren mitreißenden und vor allem reifen Interpretationen beeindruckten.

Feenhafte Stimme

Die weltbekannte Sängerin liebt es, nicht die Erwartungen des Publikums zu bedienen, sondern fordert es geradezu heraus, das Repertoire der Barockmusik nicht als elitäre höfische Unterhaltung zu verstehen, sondern über die deklamatorische Rhetorik zum emotionalen Kern der Musik vorzudringen.

Dazu schlägt sie mit ihrer noch immer feenhaften, "naturreinen" Stimme eine keineswegs schwankende Brücke zur Popmusik etwa von Paul Simon, Kate Bush und Sting, und legt die Wurzeln von deren Kompositionen in eben dieser Barockmusik frei.

Wie ernst es ihr mit diesem Anliegen ist, bewies in Bronnbach die veritable Barock-"Combo", mit der sie im Vorjahr mit dem Programm bereits in Washington reüssierte. Statt Jonathan Cohen glänzte im Taubertal der 25-jährige Pianist, Organist und Jazzmusiker Jean Rondeau am Cembalo und an der Truhenorgel, deren elektronischer Klang eher matt wirkte.

Wahres Tastenfeuerwerk

Ganz anders dagegen sein sprudelnd-rasantes, dabei jederzeit kantables Cembalo-Spiel, das der Franzose gleich zum Auftakt bei den Stücken von Henry Purcell "Music for a while", "If music be the food of live" und "Fine knacks for ladies" mit einem wahren Tastenfeuerwerk darbot.

Ein musikalischer Leckerbissen jagte den anderen, und gerade zu diesen gehörte die Bach-Fuge in c-Moll, die anstatt der Chaconne d-Moll erklang. Eine zeitlich noch größere Bühne bot Anne Sofie von Otter dem extravaganten Lautenspiel des 28-jährigen Thomas Dunford, dessen - zumindest in den vorderen Reihen - einsichtiges fulminantes Spiel auf einer 14-saitigen, sehr langen Theorbe mit weiteren freischwingenden Saiten alle Blicke auf sich zog. Beide Musiker waren mit ihrem hochkonzentrierten und zuweilen versonnen wirkenden Spiel, das gerne auch einmal nahtlos ins nächste Stück überging, ohne dass es den verdienten Beifall geben konnte, die perfekten einfühlsamen Partner für den schwerelosen, zumeist melancholischen Gesang von Anne Sofie von Otter.

Raffiniertes Programm

Sie schaffte es spielend, mit den ins raffinierte Programm aufgenommenen Werken von John Dawland ("In darkness let me dwell", "Lachrimae") , von Francois Couperin ("Les barricades mysterieuses") oder Michel Lamberts "Les voix humaines" und mit ihrer klaren, sehr hellen und doch oft verschattet-melancholischen Stimmlage eine unglaublich aufmerksame, vollkommen entschleunigte Atmosphäre zu schaffen, die erst ein solch beglückendes Konzerterlebnis möglich machte.

Dass von Otter, die sich nie auf ein Opernfach festnageln ließ, als Grenzgängerin zwischen den Genres Erfolg hat, unterstrich sie eindrücklich mit Pärts "My heart's in the highlands" und Popsongs, die mit Cembalo und Theorbe in die barocke Klangwelt rückübersetzt wurden und damit die Quellen dieser Musik offenbarten.

Unglaublich anrührend

Weihnachtslieder durften in Bronnbach nicht fehlen, wie "Maybe this Christmas" von Ron Sexsmith und das "Wiegenlied" für ein ängstliches Kind von Sting. Unglaublich anrührend erklang am Ende des begeistert aufgenommenen Adventskonzerts "Stille Nacht, heilige Nacht", mitgesungen oder gesummt selbst in den letzten Stuhlreihen.

© Fränkische Nachrichten, Montag, 12.12.2016

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