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Jahresprogramm 2011
Neujahrskonzert

Neujahrskonzert mit einer Operettengala (am Dienstag, den 01.02.2011)

Martin MitterrutznerPia-Marie Nilsson

Mit einer Operettengala feierte der Förderkreis Bronnbacher Klassik ein besonderes Debut: Die so genannte "leichte Muse" mit beschwingten und gefühlvollen Operettenausschnitten von Johann Strauß, Emmerich Kalman und Franz Lehar bestimmte das Programm, das von der Camarata Würzburg volkstümlich, aber auf höchstem musikalischen, sehr nuancenreichen Niveau präsentiert wurde.

Nach der Ouvertüre zu "Die Fledermaus" von Johann Strauß verkündete Dirigent Thomas Wise das Motto des folgenden Duetts mit Pia-Marie Nilsson (Sopran) und Martin Mitterutzer (Tenor): "Wie man eine Frau fängt". Im "Uhrenduett" kommt Martin Mitterutzer alias Eisenstein schließlich zu der Erkenntnis "Sie (Rosalinde) ist nicht ins Netz gegangen".
Voller Energie verkörperte Sopranistin Pia-Marie Nilsson die Rolle der ungarischen Gräfin. "Unter Donner und Blitz" schloss das Orchester die erste Runde eindrucksvoll ab.
Stimmungsvoll wiegend besang Martin Mitterutzer nun "mein Wien" bei Emmerich Kalmans "Gräfin Mariza". Noch gefühlvoller wurde es bei Franz Lehars "Meine Lippen, sie küssen so heiß" aus seiner letzten Operette "Giuditta". Beim Duett "Wiener Blut" konnten beide Solisten die große Bandbreite ihrer Ausdruckmöglichkeiten voll zur Geltung bringen. Vor allem die Streicher konnten im Wohlklang ihrer Harmonien regelrecht baden. Von sanftem Gefühl bis zu feuriger Ekstase führten die Walzerklänge bis hin zum Fortissimo-Abschluss, dem ein langer, mir Bravo-Rufen durchsetzter Applaus folgte.

Eine Welt-Uraufführung war der "Heimatswimpel-Walzer" von Kurt de Gral (1880 bis 1911), den dieser kurz vor seinem plötzlichen Tod komponiert hatte und den Thomas Wise nun genau hundert Jahre später erstmals wieder zum Erklingen brachte. Mit den durch Flöteneinwürfe verzierten Streichermelodien war dieser Walzer ein besonderer Beitrag zum beschwingten Operettenreigen.

Ein weiterer Höhepunkt war das berühmte "Vilja-Lied", das Pia-Marie Nilsson besonders sanft und gefühlvoll sang, vom Orchester besonders fein abgestimmt begleitet. "Lippen schweigen" und "Hab mich lieb" mit der abschließenden Versicherung "Ich hab dich lieb" ließen Sänger und Instrumentalisten wieder in Tönen schwelgen. Fast hätte man sich den Bernhardsaal etwas abgedunkelt gewünscht, um die romantische Atmosphäre noch intensiver genießen zu können.

Nach dem majestätischen "Kaiserwalzer" von Johann Strauß (Sohn) ließen Stücke aus Leonard Bernsteins satirischem Musical "Candide" ganz besonders aufhorchen. Durch die reizvolle Instrumentierung, zum Beispiel in der Kombination Harfe und Fagott, durch rhythmische Finessen und den stufenlosen Übergang von Sprache in Gesang, bildeten die drei Abschlussstücke eine weitere Steigerung.

Nach begeistertem Applaus durften die Zuhörer noch eine Duett-Zugabe und schließlich den, einem "Neujahrskonzert" fast zwangsläufig zugehörenden "Radetzkymarsch" von Johann Strauß (Vater) genießen.

Die besonders feine, nuancenreiche und filigrane Präsentation dieses berühmten Marsches rundete die Operettengala auf höchstem Niveau ab.
Rainer Lange
Fränkische Nachrichten 1. Februar 2011

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