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Bronnbacher Kultouren
Jahresprogramm 2010

Herbstkonzert der Reihe Bronnbacher Kultouren (am Dienstag, den 19.10.2010)

Ein musikalisches Juwel vom Feinsten in stimmungsvollen und familiär anmutenden Ambiente bot am Samstagabend der Förderkreis Bronnbacher Klassik mit einem Herbstkonzert der Reihe "Bronnbacher Kultouren" im Bernhardsaal des Klosters Bronnbach: Zu Gast war das Bläserquintett "ProFive - Die Süddeutschen Bläsersolisten", das in der Vergangenheit bereits mehrfach in Bronnbach zu hören war.

Das aus fünf männlichen Musikprofessoren aus Würzburg, Hannover und Essen bestehende Ensemble - Gunhild Ott, Professorin für Querflöte in Essen, war den erkrankten Flötisten Hermann Klemeyer eingesprungen - trat im Jahr 2001 zum ersten Mal unter dem Namen "ProFive" auf. Bereits einige Jahre vorher hatten sich einige der Herren als "Süddeutsche Bläsersolisten" bezeichnet, weshalb sie diesen Namen als zweiten Bestandteil ihres Ensemblenamens auch noch weiter führen.

Die fünf Musiker, die neben ihrer Lehrtätigkeit und ihrem Mitwirken bei "ProFive" auch solistisch sowie in anderen Kammermusikformationen engagiert sind, haben schon in unzähligen gemeinsamen Konzerten und bei Studioaufnahmen bewiesen, was für großartige und aufeinander eingeschworene Instrumentalisten sie sind. So führten sie Konzertreisen in viele EU-Länder sowie nach Russland, Ukraine und China, Auftritte in Japan und Südafrika sind für 2011 geplant.

In seinem Programm präsentierte "ProFive" eine harmonisch und gelungen abgestimmte Programm-Melange mit einem Querschnitt klassischer Quintett-Bläsermusik, bestehend aus Werken bekannter und auch seltener zu hörender Komponisten aus verschiedenen Zeit- und Stilepochen. Den Auftakt bildete Mozarts Fantasie f-Moll KV 594, die den Beinamen "Ein Stück für ein Orgelwerk in eine Uhr" trägt, und bei dem das Ensemble bereits zu erkennen gab, ihre Stücke präzise wie ein Uhrwerk zu interpretieren. Es folgte das Quintett g-Moll, op. 56 Nr. 2 von Franz Danzi, bei dem die Schlussakkorde des letzten Satzes ("Allegretto") besonders einfühlsam und mitreißend gelangen. Ähnliches galt für Anton Reichas Quintett Es-Dur, op. 88 Nr. 2, dessen dialogähnliche Passagen des zweiten Satzes ("Scherzo: Allegro") besonders stimmungsvoll wirkten.
Neuzeitliche Moderne, ohne jedoch mit experimenteller Postmoderne zu nerven, präsentierte das Quintett mit dem "Quintette pour instruments à vent" von Claude Paul Taffanel und mit "Trois pièces brèves pour quintett à vent" von Jacques Ibert, einem Werk, das zuweilen mit sogar jazzigen Stiltendenzen aufwartete und dessen drei Sätze besonders fröhliche Ausstrahlung vermittelte - nicht zuletzt auch dank der fünf Solisten.

Dass die fünf Musikprofis zu den Glanzlichtern der künstlerischen Spitzenklasse europäischer Kammermusik zählen, stellten sie auf beeindruckende Manier auch in Bronnbach unter Beweis. Mit Behutsamkeit und Feinfühligkeit ließen sie fünf musikalische Herzen wie eines schlagen, so dass aus fünf Instrumenten eine einzige harmonische Klangeinheit entstand: Jan Schroeder ließ sein Horn seufzen und triumphieren, die Flötistin trillerte und sang mit ausdrucksvollem Temperament zum Schmeichelton von Oboe (Jochen Müller-Brinken) und Klarinette (Manfred Lindner) um die Wette, die selbst immer wieder mit virtuosen Passagen mitrissen, dazu brummte und quäkte Albrechts Holders Fagott auf wundersam positive und großartige Weise. So geriet jeder Satz der fünf genannten Stücke zum musikalischen Perlenspiel der Bläserkunst, wie man sie in der Kompaktheit in solcher Qualität nur selten erlebt. Treffsichere Intonation, Dynamik und Präzision, kombiniert mit hochkonzentrierter Präsenz, Leichtigkeit, Eleganz, Charme, Heiterkeit und fröhlichem Esprit, ohne sich jedoch in Schnörkeln zu verzetteln, sondern angenehm anzuhörende Klangtransparenz bewahrend - mit solchen und ähnlichen Attributen lassen sich die ansteckende und erkennbar authentische Spielfreude und künstlerische Virtuosität des Quintetts womöglich am treffendsten charakterisieren. Mit diesen Eigenschaften zogen die fünf Musiker ihr fasziniertes Publikum von Beginn an in ihren Bann und sorgten zugleich für abwechslungsreiche und kurzweilige Unterhaltung.

Die vielseitigen Facetten ihres Repertoires und ihres Könnens zeigte das Quintett nicht nur in seinem anspruchsvollen angekündigten Programm, sondern zudem auch bei drei Zugaben, u .a. mit dem beschwingt mitreißendem "Ragtime Dance" von Scott Joplin, die zugleich Abrundung eines faszinierenden und geradezu perfekten Konzertabends waren, der vielen Zuhörern noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Fränkische Nachrichten 19. Oktober 2010

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