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Bronnbacher Musikfrühling
Jahresprogramm 2010

Abschluss des Bronnbacher Musikfrühling (am Dienstag, den 18.05.2010)

Bernd Glemser Sydney Conservatorium of Music Orchestra

Ein klassisches Konzert von seltenem Kaliber bekamen am Samstag die Besucher der Klosterkirche beim Abschlusskonzert des "Bronnbacher Musikfrühlings" geboten. Für das Konzert hatte es der Förderverein "Bronnbacher Klassik" erneut geschafft, ein Sinfonieorchester zu verpflichten, das Orchester des "Sydney Conservatorium of Music", das bereits den Großteil des "Musikfrühling"-Programms der vorhergehenden Woche gestaltet hatte.

Orchesterleiterin Kim Walker zeigte sich in ihrer kurzen Begrüßung aufrichtig erfreut über die Gelegenheit, auf dem Alten Kontinent zu gastieren und äußerte großen Respekt vor der musikalischen Geschichte der deutschen Lande.

Viele der Musiker das Orchesters der Musikhochschule Sydney sind erst um die 20. Mit viel Seriosität spielten sie fern der Heimat und unter relativ widrigen Bedingungen - Blechbläser und Schlagwerk wurden aus Platzmangel wieder einmal hinter Gitter in den hinteren Kirchenbereich verbannt.

Am Samstag stand auf dem Programm Beethovens Klavierkonzert Nr. 2 in B-Dur, eines der "frühen späten" Werken des Meisters. Am Flügel saß der deutsche Starpianist Bernd Glemser. Er richtete sich stark nach den Streichern, die sich als eher unerfahrene Schüler noch artig-aufmerksam an der Dynamiknotation und dem Taktstock ihres Dirigenten Imre Palló orientierten. Im Ganzen schadete das dem konservativ angelegten Stück aber nicht, der virtuose Glemser verlieh ihm auch im entspannten Alleingang eine hörbare Vitalität. Nach langanhaltendem Applaus ließ er sich dann auch zu einer Solozugabe nach Rachmaninow hinreißen. Vielleicht in Anspielung auf ihre eigene Herkunft schlossen die Australier ihr Konzert mit Antonin Dvoraks Neunter Sinfonie, "Aus der neuen Welt", entstanden nach dessen dreijährigem Amerikaaufenthalt. Das bekannteste Werk des Revolutionärs der Volksmusik gab ihnen Gelegenheit, es zwischen den heiligen Mauern noch einmal richtig "krachen zu lassen". Man kann es als eine Zusammenfassung der vorangegangenen Epoche der Romantik sehen, hier taucht man ein in die Sehnsucht nach endlosen Prärien und Sonnenaufgängen an unberührten Seen, nach Abenteuer und Gottvertrauen, nach dem puren Leben mit Euphorie und Melancholie gemeinsam.

In der Interpretation der Australier verlieh jugendlicher Eifer besonders kontrastreichen Bewegungen des anspruchsvollen Opus' eine leichte Schlagseite in Richtung "forte" und "allegro", auch dies war aber für die Gelegenheit, solch eine Sinfonie live und quasi vor der eigenen Haustüre zu erleben, leicht zu verschmerzen. Das "Sydney Conservatorium of Music Orchestra" ist nicht die New Yorker Philharmonie - einige seiner Mitglieder dürften aber früher oder später bei solch hochrangigen Orchestern landen. gut
Fränkische Nachrichten 18. Mai 2010

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