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Bronnbacher Musikfrühling
Jahresprogramm 2010

Kammerkonzert mit Gast-Quartett (am Mittwoch, den 19.05.2010)

Zum dritten Kammerkonzert im Rahmen der Reihe "Bronnbacher Musikfrühling" hatte der Förderkreis Bronnbacher Klassik am Freitagabend in den Josephsaal eingeladen. Das Konzert wurde von den Fränkischen Nachrichten präsentiert. Die Solisten des Septetts, allesamt Solo-Musiker, Professoren und Dozenten, waren Ole Boehn (Violine), Reiner Schmidt (Viola), Minah Choe (Violoncello), Michinori Bunya (Kontrabass), Isabelle Schmitt (Horn), Kim Walker (Fagott) und Frank Celata (Klarinette).

Kim Walker leitet das Sydney Conservatorium of Music, das mit über vierzig Musikern des Kammerorchesters die vier Konzerte des "Bronnbacher Musikfrühling" in diesem Jahr maßgeblich gestaltet. Möglich wurde die Veranstaltungsreihe mit dem australischen Orchester durch die Vermittlung des Vorsitzenden des Förderkreises Bronnbacher Klassik, Reiner Schmidt, der seit 2008 Professor für Bratsche und Kammermusik in Sydney ist.

Als Überraschung kündigte Professor Reiner Schmidt das Streichquartett "Gioccoso" an. Die vier jungen Männer seien erst vor zwei Tagen wegen der Bewerbung um ein Masterclass-Studium aus dem 2000 Kilometer entfernten Rumänien mit dem PKW angereist. Das außergewöhnlich hohe Niveau des Quartetts habe ihn bewogen, das Konzertprogramm spontan um einen Programmpunkt zu erweitern. Beim Streichquartett op. 18 Nr. 6 von Ludwig van Beethoven konnten sich die Zuhörer davon überzeugen, dass Schmidt nicht zuviel versprochen hatte. Die vier Solisten begeisterten mit perfekt aufeinander abgestimmtem, virtuos-effektvollem Spiel. Fein abgestimmte Synkopen wanderten beim zweiten Satz präzis zwischen den Einzelstimmen hin und her, choralartige Passagen im vierten Satz wurden sorgfältig, teilweise mit ausgeprägtem Vibrato intoniert und das abschließende Rondo schloss mit einem furiosen Prestissimo, dem sich ein ebenso enthusiastischer Applaus anschloss. Vom Streichquartett "Gioccoso" wird sicherlich noch viel Hochkarätiges zu hören sein.

Klangfülle, Präzision und musikalisches Feingefühl kennzeichneten die beiden folgenden Septett-Kompositionen des schwedischen Romantikers Franz Adolf Berwald (1796 bis 1868) und Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827). Die sieben Solisten brachten eine erstaunliche Bandbreite musikalischer Erlebnisse zu Gehör. Schlichtheit und Komplexität gingen manchmal stufenlos ineinander über. Auf ein hochromantisches Adagio folgte ein fröhliches Allegro, das eine Reminiszenz an Mozart hätte sein können.

Bei Beethovens Septett op. 20 wurde dieser Eindruck der Vielfalt noch weitergeführt und verstärkt. Violine und Klarinette korrespondierten oft mit langen Melodiebögen über einem immer wieder neu zusammengestellten Fundament der übrigen Instrumente, aber auch Viola, Cello, Kontrabass, Fagott und Horn übernahmen in schnellem Wechsel reihum führende Passagen.

Das Menuett verbreitete durch das fröhliche "Schrumm-schrumm" des Kontrabasses eine ansteckende Volkstanzstimmung. Die Variationen des fünften Satzes
faszinierten durch virtuose Begleitfiguren von Violine und Viola, aber auch durch einfache Unisonopassagen von Fagott und Klarinette, die wegen der besonderen Klangfarbe der Instrumentenkombination aufhorchen ließen. Das schwungvolle Finale wurde durch eine lange Kadenz der Violine eingeleitet. Nach einem überraschenden Abstecher nach moll kehrte man unter aufsteigenden Horn-Akkorden (zuvor zeigten diese nach unten) zur Ausgangstonart Es-Dur zurück. Nach dem dreifachen Schlussakkord gab es neben Wein und Rosen lang anhaltenden, Applaus und begeisterte Bravo-Rufe. Rainer Lange
Fränkische Nachrichten 19. Mai 2010

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