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Bronnbacher Musikfrühling
Jahresprogramm 2010

Kammerkonzert der Spitzenklasse (am Montag, den 17.05.2010)

Ji Won Kim Sydney Conservatorium of Music Orchestra

Ein Kammerkonzert der Spitzenklasse, das von den Fränkischen Nachrichten präsentiert wurde, fand im Rahmen der Konzertreihe "Bronnbacher Musikfrühling" im Bronnbacher Bernhardsaal statt. Das "Sydney Conservatorium of Music Chamber Orchestra" musizierte mit der Solistin Ji Won Kim (Violine) unter der Leitung von Professor Reiner Schmidt, der seit Mai 2008 an der Universität Sydney eine Professur für Bratsche und Kammermusik innehat.

Mit Mozart und Beethoven stellten bekannte und hochkarätige Namen die besten Voraussetzungen für ein hochwertiges Konzerterlebnis. Aber erst das herausragende Zusammenspiel des hochmotivierten australischen Orchesters und das mitreißende Musizieren der sympathischen Solistin aus Korea machten das Konzert zu einem, vielleicht zu "dem" Höhepunkt des aus insgesamt vier Konzerten bestehenden Bronnbacher Musikfrühlings.

Das "Kammer"-Orchester aus über vierzig Streichern, darunter vier Celli und drei Kontrabässe, Holz- und Blechbläsern mit Kesselpauken, das man wohl aus Raumgründen nicht auf dem Podium, sondern an der Rückseite des Bernhardsaals platziert hatte, begann mit der Ouvertüre zu Mozarts "Hochzeit des Figaro". Kontrastreiche Sforzati und großflächig angelegte Crescendi kennzeichneten die erfrischende Komposition.

Zu Mozarts Violinkonzert D-Dur KV 218 verkleinerte man die Bläserbesetzung. In leuchtend blauem schulterfreien Kleid spielte Ji Won Kim die Solovioline. Mit glasklarem Ton, der nie an die Grenze zum Schrillen oder Stechenden geriet, genoss sie mit den Zuhörern jeden einzelnen Ton ihrer langen, filigranen Kadenzen, aber auch die majestätische Klangfülle des Streicherplenums nach den durch Triller angekündigten Einsätzen. Im sanft wiegenden zweiten Satz, Andante, hielt sich das Orchester vornehm zurück, um im abschließenden Rondeau alle Register - aber immer wieder auch die ganz leisen - zu ziehen. Das kontrastreiche und exakte, aber mit samtweichen, stufenlosen Übergängen versehene Musizieren mündete in einen präzis und elegant hingetupften doppelten Schlussakkord.

Nach begeistertem Applaus spielte Ji Won Kim ein Capriccio des Violinvirtuosen Niccolo Paganini (1782 bis 1840), wiederum mit faszinierender Fingerfertigkeit und kompromisslos klarer Tongebung. Auch nach der Pause musste man auf Ji Won Kim nicht verzichten. Bei Ludwig van Beethovens Symphonie Nr. 4 B-Dur op. 60 hatte sie neben der Konzertmeisterin sitzend weiterhin hohe Verantwortung für feinfühlige Pianissimo-Einwürfe und energische Fortissimoklänge. Mit den Streichern harmonierten Holz- und Blechbläser stets in perfekter Abstimmung. Hörner und Trompeten, Flöte, Fagotte und Klarinette ließen das liebliche Adagio besonders genießen. Mit einem virtuos-furiosen "Allegro ma non troppo" verabschiedete man sich noch einmal so, wie man sich Beethoven wünscht: Kernig und filigran, voller Energie, aber mit viel Gefühl, immer souverän und aussagestark.

Bravorufe und langanhaltender, im Stehen gespendeter Applaus drückten den Dank an Professor Reiner Schmidt, seine australischen Musiker und die Solistin Ji Won Kim zum Schluss noch einmal deutlich aus.

Fränkische Nachrichten 17. Mai 2010

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