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Bronnbacher Musikfrühling
Jahresprogramm 2011

Tom Woods und Kammerorchester Pforzheim (am Montag, den 30.05.2011)

 Südwestdeutsches Kammerorchester PforzheimTom Woods

Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim gastierte unter dem Dirigenten Tom Woods beim "Bronnbacher Musikfrühling" in der Klosterkirche. Einen Kunstgenuss in froh jubelnder Musikfreude, die in diesem heiligen Raum sicher auch den Himmel erreichte, bescherte dieses hervorragende Kammerorchester. Zu Beginn führte Wolfgang Amadeus Mozarts Ouvertüre zu "Don Giovanni" in dunklere Gefilde. Der Dirigent wusste die Ernsthaftigkeit jenes Opernvorspiels mit interpretatorischem Gewicht herauszuheben.

Den Rokoko-Variationen A-Dur op.33 für Violoncello und Orchester von Peter I. Tschaikowsky widmete Valentin Radutiu als Solist eine betörend charmante Ausführung in rokokohafter Anmut. Selbst bei schwierigen technischen Passagen dominierten die angebrachte Leichtigkeit und Eleganz. Die virtuosen Allüren, die in den Variationen nicht sparsam daherkommen, beherrschte der sympathische junge Cellist technisch souverän, mit überlegener Gestaltungskunst, der sich das Orchester nicht verschlossen zeigte. Mit schöner Emphase wurde da musiziert, ohne die Substanz dieser angenehm unterhaltenden Musik als harmlos abzutun. Die Phrasierung blieb locker und ohne dickbäuchigem Ton. Kantilenen blühten auf, Doppelgriffe ertönten lupenrein, der Celloton strömte sonor und das Zusammenspiel mit dem Orchester erfolgte auf gleicher musikalischer Ebene.

Nach solch einer glücklichen Reise durch die blühenden Landschaften dieser Variationenreihe erklang Ludwig van Beethovens 3. Sinfonie Es-Dur op.55 "Eroica". Dem Beethoven'schen Stil mit seinem unverwechselbaren Rhythmus und der kraftvollen Akzente blieb die heroische Wucht nicht versagt.

Tom Woods wählte für diese Art "Heldenepos" keine schleppenden Tempi, führte das Werk zu einem sieghaft strahlenden Abschluss, bei der durch die straffe Musizierweise der große architektonische Überblick nicht verloren ging. Dieses Tongedicht, das Beethoven als Kämpfer für das Gute mit unbesiegbarem Willen auszeichnet, lieferte trotz düsterer Durchgänge, und diese nicht nur im Trauermarsch, zahlreiche lichte Aspekte bei triumphaler sinfonischer Pracht.

Das Scherzo huschte mit gesteigerter Fröhlichkeit munter dahin, die drei Hörner des Trio-Teils parierten abgesehen von einem winzigen Ausrutscher intonationsrein, solistische Einlagen auf der Flöte und der Oboe blitzten sauber hervor, das Ganze eingebettet in einen transparenten Streicherteppich, der sich trotz der halligen Akustik des weiten Kirchenraumes zu einem wohltuenden Ganzen fügte.

Großartig entfaltete sich diese signifikant lange Symphonie. Wegen der jugendfrisch begeisterten Tempi und dem straff organisierten Energiefluss war das Auskosten der drei Hauptthemen etwas ins Hintertreffen geraten. Immerhin bewahrte die Darbietung eine ungeheure Zugkraft, deren aggressive, kraftvolle, auch schlanke und grazile Wirkung keinen Augenblick an Spannung verlor. Bläser und Streicher fanden sich zu einem homogen operierenden Ensemble zusammen, dessen Ausdruck auf ein breites Spektrum musikalischer Emotionen bedacht war.

Clarry Bartha hatte zu Beginn die zahlreichen Zuhörer mit sensiblen Worten begrüßt und versprochen, das künstlerische Erbe ihres in der Karwoche verstorbenen Mannes Prof. Reiner Schmidt in seinem Sinne weiterzuführen. kl

Fränkische Nachrichten 30. Mai 2011

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