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Herbstkonzert
Jahresprogramm 2009

Emotionale Reichweite und tragfähige Klangfülle (am Montag, den 14.09.2009)

Clarry Bartha Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim

Zum Herbstkonzert hatte der Förderkreis Bronnbacher Klassik am Samstag in den Bernhardsaal des Bronnbacher Klosters eingeladen. Unter Leitung von Professor Reiner Schmidt spielte das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Joseph Haydn und Benjamin Britten. Höhepunkt des Konzerts war die Kantate "Arianna a Naxos" des vor genau 200 Jahren verstorbenen Joseph Haydn (1732 bis 1809), bei der Clarry Bartha (Sopran) mit großer emotionaler Reichweite und in allen Lagen tragfähiger Klangfülle beeindruckte.

Die Sinfonie Nr. 7 in d-moll von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 bis 1847) bildete den ersten Teil der anspruchsvollen Trilogie. Voller Energie begann das vierzehnköpfige Streichorchester mit dem prägnanten Eingangsmotiv. Während sich die ersten Violinen im zunächst vorherrschenden Forte mit dominierender Schärfe durchsetzten, entwickelte sich besonders im wunderschönen Andante des zweiten Satzes ein ausgewogenes Gleichgewicht, das die immer wieder durch die Tonlagen wandernden Motive auch in den Mittelstimmen zur Geltung kommen ließ.

Noch der barocken Tradition zuordnen kann man die 1790 komponierte italienische Solokantate "Arianna a Naxos" von Joseph Haydn (1732 bis 1809). In zwei direkt aufeinander folgenden Rezitativen und zwei Arien werden die Seelenqualen der von Theseus verlassenen Arianna sehr effektvoll beschrieben.

Auch wenn eine Übersetzung der italienischen Überschriften im Programm fehlte, konnte man Leidenschaft und Tragik, Liebe und Melancholie eindrucksvoll spüren. Clarry Bartha erwies sich als einfühlsame Vermittlerin einer großen Bandbreite der Gefühle.

Nach der Pause als Abstandhalter zu den "Variationen auf ein Thema von Frank Bridge" von Benjamin Britten (1913 bis 1976) konnte man Erfrischend-Modernes genießen: Verschiedene Facetten des Charakters der beiden Komponistenpersönlichkeiten seien laut Programmheft in den neun Variationen verarbeitet. In der Tat konnte man eine kurzweilige musikalische Reise durch vielfarbige Gefühls- und Gedankenwelten erleben.

Optimistisch und witzig in der Grundstimmung hörte man eine Wiener Walzer-Parodie, eine Romanze im Wechseltakt eines Zwiefachen, einen schwermütigen Trauermarsch mit abgrundtiefem Kontrabassfundament und in allen der neun musikalischen Miniaturen nahezu permanent sich reibende Intervalle, die am Schluss mit überraschender Selbstverständlichkeit in einen ganz normalen Durakkord mündeten.

Zwei Wiederholungen aus den Variationen bildeten die Zugabe, darunter auch der wohl interessanteste Abschnitt "Molto perpetuo", bei dem sich die beiden Celli in

Klang und Spielweise in ein Mini-Mandolinenorchester verwandelten, sehr zum Vergnügen nicht nur des Publikums, sondern auch der beiden Instrumentalisten. Rainer Lange

Fränkische Nachrichten 14. September 2009

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