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Bronnbacher Musikfrühling
Jahresprogramm 2009

Künstler boten brillantes Musikerlebnis (am Dienstag, den 02.06.2009)

Pia-Marie Nilsson

Das Oratorium "Die Schöpfung" von Joseph Haydn (1732 bis 1809) gehört zu den bedeutendsten Werken der Musikgeschichte. Am Pfingstsamstag konnte ein nicht allzu großes, aber höchst interessiertes Publikum in der Bronnbacher Klosterkirche einen exzellenten Chor, ein hervorragendes Orchester und drei erstklassige Gesangssolisten unter der Leitung von Prof. Reiner Schmidt in Vollendung genießen.

Der Förderkreis Bronnbacher Klassik hatte im Rahmen der Bronnbacher Kultouren 2009 zum Abschlusskonzert des Bronnbacher Musikfrühlings eingeladen. Präsentiert wurde das Konzert von den Fränkischen Nachrichten.

Alles andere als "Behelfslösung"

Der Oratorienchor Würzburg und das Kammerorchester Camerata Würzburg sollte eigentlich mit Preisträgern des Gesangswettbewerbs "Debut" Bad Mergentheim kooperieren, doch mussten für zwei verhinderte Solisten kurzfristig Pia-Marie Nilsson (Sopran) und Mark Adler (Tenor) einspringen.

Zusammen mit Uwe Schenker-Primus (Bariton) war die Besetzung jedoch alles andere als eine Behelfslösung. Das Trio ergänzte sich zusammen mit Chor und Orchester derart perfekt zu einem brillanten Gesamt-Musikerlebnis, von dem man sich einen Live-Mitschnitt gewünscht hätte, um die etwa 100 kostbaren Konzertminuten für ein größeres Publikum zu konservieren.

Im ersten Teil des Oratoriums wird nach der Beschreibung des Chaos die Erschaffung des Lichts, der Erde, der Himmelskörper, des Wassers, des Wetters und der Pflanzen beschrieben. "Und es ward Licht" ist die wohl bekannteste Schlüsselstelle des Oratoriums. Nach der getragenen c-moll-Einleitung schaltet Haydn in das strahlende Fortissimo-C-Dur um. Chor und Orchester ließen nicht nur an dieser Stelle die dramaturgisch phänomenalen Einfälle des Komponisten in kaum zu überbietender Qualität genießen. "Rollend in schäumenden Wellen" erzählte Bariton Uwe Schenker-Primus von der Erschaffung der Meere und Flüsse. Von sonorer Basstiefe bis zur strahlenden Baritonhöhe reichte sein stufenloses Stimmregister. Das fein dosierte Pizzikato des Orchesters vervollkommnete die Beschreibung der geschaffenen Natur: "Und siehe, es war sehr gut". Prof. Reiner Schmidt gelang es schnell, die Feinfühligkeit des Orchesters beim feierlich schreitenden Siciliano der Sopranarie dem Tempo der Solistin anzugleichen.

In großem Crescendo beschrieb das Orchester den Sonnenaufgang und leitete dann den bekannten Chor "Die Himmel erzählen die Ehre Gottes" ein, der heute zum Repertoire vieler Kirchenchöre gehört. Das mit Blechbläsern in spätklassischer Art gut ausgestattete Orchester spielte festlich-majestätisch, gleichzeitig aber immer unglaublich beweglich und im Pianissimo ganz besonders durchsichtig und filigran.

Der zweite Teil der Schöpfung feiert die Erschaffung der Tierwelt und schließlich des Menschen. Die Sopranistin besang die Schöpfung der Vögel, der Bariton, nur von Bratschen und Celli begleitet, berichtete in tiefer Lage: "Und Gott schuf große Walfische". Gebetscharakter hatte die mahnende Zusammenfassung "Erfreuet euch in euerm Gott". Humorvoll, aber im Unterschied zur späteren Praxis der Programmmusik dezent und unaufdringlich vertonte Haydn die Erschaffung der Tiere, die er durch die Auswahl der Instrumente wie dem Kontrafagott beim Brüllen des Löwen darstellte.

Mit dem prachtvollen Chor "Vollendet ist das große Werk" schloss dieser Teil. Die schnelle Doppelfuge "Alles lobe seinen Namen" mit einem gewaltigen, herrlich gesungenen "Halleluja" machte dieses Finale zu einem Höhepunkt des Werkes. Der dritte Teil des Oratoriums spielt im Garten Eden und beschreibt das glückliche Verhältnis von Adam und Eva. Tenor Mark Adler leitete rezitativartig über zum Dankgebet von Adam und Eva, der Bass-Einladung "Komm, folge mir, ich leite dich" und zum Liebesduett "Holde Gattin" mit der sanften Antwort der Sopranistin "Holder Gatte". Das Finale "Singt dem Herrn, alle Stimmen" endete nach einer wiederum sehr schnellen Doppelfuge mit einem festlichen "Amen". Nach kurzer Stille dankte das Publikum den Mitwirkenden für ihre großartige Leistung mit lang anhaltendem stehendem Applaus und Bravorufen.

Fränkische Nachrichten 2. Juni 2009

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