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Bronnbacher Musikfrühling
Jahresprogramm 2009

Tschechoslowakisches Kammerorchester in der Klosterkirche (am Freitag, den 05.06.2009)

Prächtiger Streicherklang und erlesenes, hinreißendes Cellospiel eines Ausnahmesolisten prägten das dritte Konzert im Rahmen des Bronnbacher Musikfrühlings in der Klosterkirche.

Das Tschechoslowakische Kammerorchester Prag, ein international renommiertes und auch in unserem Raum durch Gastspiele wohlbekanntes Ensemble, begleitete dabei den Schweizer Cellisten Orfeo Mandozzi in Joseph Haydns zweitem Cellokonzert und beschloss den Abend, der mit einer kleinen Sinfonie von Anton Filtz (1733-1760) begonnen hatte, mit der beliebten E-Dur Serenade von Antonin Dvorak.

Der unstreitig künstlerische Höhepunkt des Konzerts war sicher das Haydn-Konzert, doch wäre auch das Begleitprogramm noch etwas besser zur Geltung gekommen, wenn der Auftritt der Prager Kammermusiker unter ihrem Leiter Jan Mracek an einem anderen Ort als der Klosterkirche mit ihren sehr halligen Resonanzverhältnissen hätte stattfinden können.

So ergab sich besonders im "presto" überschriebenen dritten Satz der "Sinfonia" von Anton Filtz (1733-1760), einem der stilprägenden Komponisten der Mannheimer Schule, ein arg verwischtes Klangbild. Störend wirkten auch die relativ lauten Holzbläser im folgenden Cellokonzert von Haydn.

Günstiger lagen dann die Verhältnisse bei Dvoraks E-Dur Serenade op.22, einem Standardwerk seiner Gattung, bei dem sich das Kammerorchester erwartungsgemäß ganz in seinem Element befand.

Das 1875 entstandene, angenehm melodische, beschwingte und stimmungsvolle fünfsätzige Werk könnte man als inspirierte Unterhaltungsmusik auf formal gehobenem Niveau bezeichnen, deren besonderer Reiz sich vor allem aus der Verbindung liedhafter und tänzerischer Elemente ergibt.

Expansiver Klang

Der angesichts der eher kleinen Besetzung erstaunlich füllige, expansive Klang des Prager Streichensembles kam im einleitenden moderato schön zum Tragen und sorgte später im vivace überschriebenen Finale für effektvolle Steigerungen und dramatische Beleuchtungswechsel.

In den beiden tänzerischen Sätzen der Serenade, dem Walzer und dem Scherzo, erzeugten die Prager durch raffinierten Tempomodifikationen und sehr variabler Dynamik erfolgreich den Eindruck spontaner Unmittelbarkeit und gelangten besonders im Scherzo zu fast schon impressionistisch-nervösen Wirkungen.

Der vierte Satz, das von Dvorak als emotionaler Ruhepunkt angelegte Larghetto wurde vom Orchester zu hochromantischen Ausdruckswerten gesteigert und

wandelte sich dabei unversehens zum Largo, das man je nach Geschmack als eher schwülstig oder mystisch-erhaben empfinden konnte.

Für den herzlichen Beifall in der Klosterkirche gab es dann noch einen Walzer von Dvorak. Zuvor durfte man sich jedoch an einer musikalischen Delikatesse laben, wie man sie auch in Bronnbach nicht all zu oft geboten bekommt: Haydns zweites Cellokonzert, 1783 entstanden, zählt seit seiner Wiederentdeckung im Jahr 1951 zu den klassischen Werken dieses Genres, das allerdings erst in der Romantik seine große Blüte erlebte. Um so interessanter erscheint rückblickend dieses frühe Werk der Wiener Klassik, in der die spezifischen Ausdrucksqualitäten der Bassgeige und ihr Potential als Soloinstrument erst allmählich entdeckt wurden.

Wie aus handwerklich virtuoser Unterhaltung tiefe Empfindung, freilich immer durch klassisches Maß gebändigt, entsteht, kann man am Beispiel des D-Dur Konzerts verfolgen, dessen ausdrucksvoller langsamer Satz im emotionalen Gehalt seiner Entstehungszeit vorauseilt. Schlichtweg klassisch, mit romantischen Einfärbungen im Adagio, und von höchster technischer wie künstlerischer Vollendung geprägt war auch das Spiel des international hoch renommierten Solisten Orfeo Mandozzi, der seinem symbolträchtigen Vornamen hier alle Ehre machte.

Schlackenlose Tongebung

Eine unglaublich sichere und reine, schlackenlose Tongebung und ein geradezu immaterieller, zarter und schmelzender, wie aus einer anderen Welt rührender Ton, herrliche Mühelosigkeit in den virtuosen Passagen (zum Beispiel in der ausgedehnten Solokadenz am Schluss des ersten Satzes oder im übermütigen Finale) und die wundervolle schmerzliche und sublime Innigkeit seines Cello-Gesanges im Adagio von Haydns Konzert wiesen ihn als absoluten Ausnahmemusiker aus, den man in Bronnbach hoffentlich nicht zum letzten Mal gehört hat. Für die Bravos in der Klosterkirche bedankte er sich mit einer kleinen, aber köstlichen Zugabe von Nino Rota. Thomas Hess

Fränkische Nachrichten 5. Juni 2009

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