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Herbstkonzert
Jahresprogramm 2008

Ein kontrastreiches Musikerlebnis (am Montag, den 03.11.2008)

Clarry BarthaJoachim Seipp

Bronnbach. Dimitri Schostakowitsch und Joseph Haydn brachte der Förderkreis Bronnbacher Klassik am Samstag im Bronnbacher Bernhardsaal unter einen Hut. Clarry Bartha (Sopran) und Joachim Seipp (Bassbariton) sangen Texte von Dichtern wie Guillaume Apollinaire, Clemens Brantano und Rainer Maria Rilke, eingearbeitet in die 14. Sinfonie von Schostakowitsch.

Joseph Haydns so genannte "Trauersinfonie" e-moll Nr. 44 bildete nach der Pause das wohlklingende und entspannende Pendant, das den an musikalischen Erlebnissen reichen Abend ausgewogen abschloss. Professor Reiner Schmidt dirigierte das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim.

Professor Reiner Schmidt, Vorsitzender des Förderkreises, hatte die Zuhörer auf die ungewöhnliche Zusammenstellung des diesjährigen Herbstkonzerts vorbereitet. So war man zunächst gespannt auf die 14. Sinfonie op. 135 von Schostakowitsch, die aus einem elfteiligen Vokalzyklus bestand.

Zorn und Trauer

Zorn und Trauer über ungewöhnlichen und zu frühen Tod sei das Thema, so Reiner Schmidt. In einer untypischen Orchesterbesetzung hatte eine Schlagwerkgruppe anstelle von Bläsern wichtige klangliche Aufgaben zu erfüllen.

Glockenschläge und Gewehrschüsse, Tanzmusik und Militärfanfaren hatte der Komponist zu den Texten passend mit der Zwölftonmusik der Streicher verbunden. Liebesleid, Depression und Ausweglosigkeit wurden so in Klänge verwandelt und erinnerten nach der Intention des Komponisten an die Grausamkeiten der Oktoberrevolution von 1917, deren 50. Jahrestag zur Entstehungszeit der Komposition im Jahr 1967 begangen wurde.

Bassbariton Joachim Seipp deklamierte düster und anklagend mit sonorer Stimme von einhundert unter der Erde schlafenden heiß Verliebten und vom Tod, der in der Taverne aus- und eingeht.

Dunkle Kontrabass-Glissandi zum einen und aufrüttelnde Schlagwerkrhythmen, die den tanzenden Tod symbolisierten zum anderen nahmen die Zuhörer mit auf eine Reise in die tiefsten Abgründe menschlicher Erlebniswelt.

Die Loreley als blonde Hexe und drei Lilien auf dem Grab eines Selbstmörders waren weitere Bilder, die Schostakowitsch in aufwühlenden Szenen drastisch vertont hatte. So hatte Clarry Bartha kaum Gelegenheit, die sanfte und warme Seite ihrer tragfähigen Stimme zu zeigen, sondern musste herzzerreißend von sterbenden Soldaten und kreuzlosen Gräbern klagen.

Im Orchester hörte man neben Kastagnetten, Holzstäben, Xylophon und Vibraphon auch besondere Effekte wie das Schlagen der Celli und Kontrabässe mit der Bogenstange auf die Saiten zum Pizzikato der Streicherkollegen.

Versöhnlichere Töne

In der Pause gab es reichlich Diskussionen über das Gehörte, sodass die Zuhörer erst nach Hornsignal und Gong in den Bernhardssaal zurückfanden, um in eine weit angenehmere, musikalisch gesehen im Vergleich zu Schostakowitschs Werk "heile Welt" einzutauchen, wenn auch Joseph Haydns Sinfonie e-moll Nr. 44 die Überschrift "Trauersinfonie" trug. Zwei Oboen und zwei Hörner sorgten für wohltuende Farbe und Haydns Komposition erfüllte Ohren und Gemüter der Zuhörer mit fröhlicher, bewegter Frische, die keine düsteren Gedanken mehr zuließ.

Auf das munter schreitende Allegro con brio folgte ein schönes Menuett, dessen liebliches Dreiertakt-Motiv von den Violinen eingeleitet und von der blonden Hornistin wunderschön weiter zelebriert und genießerisch ausgekostet wurde.

Fast noch schöner war das gefühlvolle Adagio, das die ersten Violinen betont unaufdringlich genossen. Sie wurden von den zweiten Geigen in einer herrlichen Achtelbewegung begleitet und von den Kollegen des tiefen Registers mit exakt dazugetupften Begleitakkorden fundamentiert.

Das Finale (presto) setzte trotz der schnellen Geschwindigkeit die gefühlvolle Grundstimmung fort. Die Sforzati passten sich perfekt in die flexible Gesamtheit ein, die immer wieder zum einfach gehaltenen Unisono-Motiv zurückkehrte. Technischer Perfektionismus wurde nicht um jeden Preis angestrebt, sondern ließ der Musizierfreude immer den Vortritt.

So konnte das Konzert an Allerheiligen als musikalisches Wechselbad der Gefühle erlebt werden. Zunächst war es harte Kost, letztendlich aber auch lang anhaltender Seelentrost für diejenigen, die sich der gehaltvollen Kraft der Worte und der Töne hinzugeben bereit waren. Rainer Lange

Fränkische Nachrichten 4. November 2008

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