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Jahresprogramm 2008
Tangoabend

Tango-Konzert im Kloster Bronnbach (am Montag, den 29.09.2008)

Bronnbach. Tango als konzertante Variante : Dieses Erlebnis der besonderen Art initiierte der Förderkreis Bronnbacher Klassik im Rahmen eines Tango-Wochendendes und gewann dafür das weltbekannte Luis Borda-Quintett.

Um es klar zu sagen: Was die Besucher im Josef-Saal des Klosters erlebten, war Musik der starken, ungebremsten Gefühle, die alles ausdrückte: Herzzerreißende Melancholie, überschäumende Lebenslust, scharfe Zäsuren zwischen hauchzart Melodischem und messerscharfer Atonalität - gespielt , ja zelebriert mit einer virtuosen Leidenschaft durch das Quintett.

Mal rasender Rhythmus, dazwischen Passagen voller verzögerter, ja schleppender Sequenzen, dann wieder fast an die tonale Schmerzgrenze gehend. Tango konnte nur in Argentinien entstehen. Er ist das Lebensgefühl, das die Menschen dort prägt.

Tango ist Musik des Volkes, wurde in den Bars und Kneipen gespielt. Längst aber hat er einheimische Komponisten beeinflusst, die den Tango zur Kunstform erhoben, ihn weit mehr als salonfähig gemacht haben. Heute hat der Tango die Konzertsäle der Welt erobert.

Luis Borda ist ein Meister des Tango Nuevo. Die Wurzeln des virtuosen Gitarristen und Komonisten liegen natürlich im Mutterland des Tangos, Argentinien. Er studierte Harmonielehre und Komposition bei Oswaldo Lupi und Alberto Coronato. Er spielte im Quintett des Bandoneonisten Rodolfo Mederos und gründete 1982 das Luis Borda Trio, das er zwei Jahre später zum Luis Borda Quinteto erweiterte.

Weltweit unternahm er Tourneen, spielte mit weltbekannten Interpreten zusammen. Seit 1996 lebt und arbeitet er in München. Viele seine Stücke sind Eigenkompositionen - auch die, die er in Bronnbach mit seinem Quintett vortrug. Jeder seiner Musiker ist ein hervorragender Solist.

Eines der typischen Instrumente, von denen der Tango lebt, ist das Bandoneon. Weit mehr als eine Harmonika mit seinem klaren, wunderbar einfühlsamen Ton, der weich oder messerscharf den Raum durchschneidet. Virtuos gespielt von Michael Dolak. Ein weiblicher Irrwisch auf der Geige: Luciana Beleaeva. Inna Surzhenko verwandelte den Flügel in ein Rhytmusinstrument, Giorgi Machoshvill spielte den Kontrabass wie ein Jazzmusiker. Und last not least: Luis Borda selbst, auf seinen beiden Gitarren - ein virtuoser Meister, der die höchsten Schwierigkeitsgrade mit leichter, müheloser und virtuoser Technik zelebrierte.

Das war eine Tango-Performance mit weit mehr als Unterhaltungs-Wert - vervollkommnet durch die Tango-Tanzerin Marilo de Reyes mit ihrem Partner.

Wie sagt es die Profi-Tänzerin so schön? "Die Kunst des Tango-Tanzens besteht darin, die verschieden Stile, der Musik dienend, kontrastvoll anzuwenden und harmonische zu kombinieren in einer unvergesslichen Umarmung und endlosem Spiel.

Es geht nicht darum, Tango zu tanzen, sondern Tango zu sein." Das war erotische Ästhetik pur - stürmisch applaudiert durch das Publikum. Wer nach der Vorstellung noch nicht genug vom argentinischen Lebensgefühl genossen hatte, begab sich zum argentinischen Buffet. Einen Tango-Tanzkurs konnten schon Tango-erfahrene Tanzpaare für Samstag/Sonntag buchen, unter der erfahrenen Leitung von Marilio de Reyes. Manfred Stock

Fränkische Nachrichten 29. September 2008

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