[*pagetitle*]

Bronnbacher Musikfrühling
Jahresprogramm 2008

Der Beifall wollte kein Ende nehmen (am Montag, den 02.06.2008)

Klaus Arp

Bronnbach. Im dritten Konzert des "Bronnbacher Frühlings" wurden am Samstagabend in der ausverkauften Bronnbacher Klosterkirche vom Sinfonieorchester der Mannheimer Hochschule für Musik und Darstellende Kunst unter Leitung von Professor Klaus Arp zwei bislang in Wertheim noch nie gehörte Werke aufgeführt: "L'Askension" von Oliver Messiaen (1908 bis 1992) und das "Konzert für Violoncello und Orchester h-moll" von Antonin Dvorak (1841 bis 1904) mit dem hochbegabten Solo-Cellisten Florian Schmidt-Bartha.

Messiaens Musik erscheint revolutionär, aber ihr Wesen liegt im Religiösen . Der Komponist sagte einmal: "Schon in meiner Kindheit fühlte ich mich unwiderstehlich zum katholischen Glauben, zur Musik und auch zum Theater hingezogen. Ich habe versucht, in meiner Musik meinen Glauben zu zeigen." Ein Musikkritiker behauptete dagegen, dass Rohheit und sentimentale Banalität, sinnlos lärmende geistige Diebstähle und ein höllischer Lärm in der Orchestrierung vorherrschten.

"Ascension" besteht aus vier sinfonischen Meditationen. Worte der Bibel und der katholischen Liturgie liegen dem ursprünglichen als Orgelkomposition geschaffenen, später orchestrierten Werk zugrunde. Dabei sparte Messiaen nicht mit Dissonanzen und geballter Kraft, die der oft weit ausholende Dirigent beim Konzert in Bronnbach aus den 70 Musikstudentinnen und -studenten "herausholte".

Eingeleitet wurde das Werk mit der Bitte von Christus an den Vater um seine Verherrlichung. Dementsprechend klang die Musik feierlich, langsam, majestätisch. Im zweiten Satz "Frohes Aufjauchzen einer Seele, die den Himmel ersehnt" ist deutlich beschwingt diese Erwartung zu vernehmen, zuerst ein-, dann mehrstimmig.

Wohl am imposantesten dargestellt ist der dritte Satz " Aufgefahren ist der Herr im Schall der Posaunen" . Hier kamen vor allem auch die hinter dem Gitter postierten Pauken, die große Trommel und das Becken zum Einsatz, und eine gewaltige Lautstärke "erschütterte" den Kirchenraum. Posaunenklänge erfüllten den Raum, und die Streicher wie Bläser hatten technisch hohe Anforderungen zu bewältigen. Der letzte Satz wurde lediglich von den Streichern gespielt, sehr langsam, ergriffen im Sinne des "Hohepriesterlichen Gebetes" aus dem Johannes-Evangelium: " Vater, ich habe Deinen Namen den Menschen kundgetan. Ich bleibe nicht mehr in der Welt."

Die Musik von Antonin Dvorak ist voller Rhythmus und Farbe, voll überströmender Wärme und Fröhlichkeit. Er sagte einmal von sich: "Ich bleibe, was ich bin, ein einfacher böhmischer Musikant." Nach der Pause wurde sein "Cellokonzert in h-Moll" präsentiert.

Dabei brillierte der junge Cello-Solist Florian Schmidt-Bartha, 1991 in Frankfurt/Main geboren. Er erlernte bereits mit fünf Jahren das Klavierspiel und mit sieben Jahren kam das Violoncello hinzu. Er wurde in die Frühförderklasse der Hochschule für Musik aufgenommen. Seit 2006 ist er dort Jungstudent bei Professor Orfeo Mandozzi. Im Jahre 2007 wurde Florian Schmidt-Bartha mit dem Jugend-Förderpreis

des Artland Musikwettbewerbes ausgezeichnet. Der Schüler des Deutschordens-Gymnasiums Bad Mergentheim spielt ein besonders wohl klingenes Instrument von Jean-Baptiste Vuillaume (Paris 1844).

Dvorak begann sein Cellokonzert 1894 während seines Amerika-Aufenthalts. Er vollendete es 1895 in Prag. Uraufgeführt wurde es 1896 in London.

Im ersten Satz, dem "Allegro", beeindruckt eine melodiöse Volksliedweise. Der Einsatz des Solisten ist in der Partitur mit den Worten " quasi improvisando" gekennzeichnet. Dies wurde von Florian Schmidt-Bartha ohne Notenvorlage prächtig umgesetzt. Die beiden Hauptthemen kommen auch mit einer Reihe von ausgeprägten Nebenmotiven zur Geltung.

Professor Arp hatte sein Orchester voll im Griff. Er ist als Gastdirigent international tätig und moderiert in Europa, Amerika und Canada Neujahrskonzerte. Er schuf auch die Oper "Odysseus auf Ogygia".

Das "Adagio ma non troppo" ist dreigliedrig. Das einfache ruhig fließende Hauptthema erinnert an ein Lied des Komponisten und führt am Satzende zu einem besonders schönen Dialog zwischen Cello und Orchester - ein weiterer Leistungsbeweis des jungen Solisten. Im Finale - - "Allegro moderato" - erklingt die Freude des Komponisten über seine bevorstehende Heimreise.

Diese Freude wurde wohl auch auf die Zuhörer übertragen, die den Cello-Solisten und das Orchester stürmisch feierten. Immer wieder verbeugten sich Florian Schmidt-Bartha und Professor Arp, erhoben sich alle jungen Musikerinnen und Musiker und dankten für den brausenden Beifall des hocherfreuten Publikums. Bestens an kamen noch zwei erstklassige Solo-Zugaben von Schmidt-Bartha.

Nach dem Konzert hatten die Besucher Gelegenheit, an einem Festdinner im Bernhardsaal teilzunehmen. wi

Fränkische Nachrichten 2. Juni 2008

[zurück]