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Bronnbacher Musikfrühling
Jahresprogramm 2008

Konzert mit dem "Voces-Quartett" und Fumiko Shiraga (am Montag, den 02.06.2008)

Fumiko Shiraga Voces Quartett

Das in der Region vielen bekannte und international anerkannte "Voces-Quartett" gestaltete am Freitag im Josephsaal des Klosters Bronnbach den zweiten Abend in der Konzertreihe "Bronnbacher Musikfrühlings" mit. Das vierköpfige rumänische Ensemble musiziert bereits seit 35 Jahren höchst erfolgreich. Für die beiden Klavierkonzerte hatte sich die in Japan geborene Fumiko Shiraga zur Verfügung gestellt, die bereits im Alter von sechs Jahren nach Deutschland zog. Sie errang zahlreiche internationale Preise und ist begehrte Solistin in Orchestern.

Das Konzert am Freitag wurde mit Wolfgang Amadeus Mozarts (1756 bis 1701) Streichquartett C-Dur eingeleitet. Vermutlich hat es der junge Mozart während einer Italienreise 1772/73 komponiert. Er hat zahlreiche Streichquartette geschrieben. Oft musizierte er zusammen mit Haydn. Dabei bevorzugte er die Bratsche.

Mozarts C-Dur-Streichquartett ist in drei Sätzen schnell - langsam - schnell gegliedert. Schon im "Allegro" vernimmt man die Unbekümmertheit eines Jünglings, der eine Überschwänglichkeit der Freude am Musizieren hat. An dieser Stelle werden die Musiker technisch zeitweise enorm gefordert.

Im gemächlichem Dreivierteltakt fließt das "Andante" dahin. Der Zuhörer vermisst vielleicht etwas von dem unbeschwerten Einfallsreichtum des ersten Satzes, denn hier empfindet er wohl auch Sorgenvolles, wozu die tiefen Cellopassagen beitragen.

Mozart löste sich immer mehr von der italienischen "sinfonia", bei der immer der erste Satz das Hauptgewicht trägt. Er verlegte es in den letzten Satz, hier in das "Presto". Dass in diesem Tempo so einige technische Hochformen zu bewältigen waren , schreckte das Quartett keineswegs

Robert Schumann (1810 bis 1856) war ein typischer Romantiker, der als Schöpfer der poetisierenden, kleinen Klavierformen und in der Behandlung des Klaviers fast unerreicht blieb. Sein Klavierquintett in Es-Dur schrieb er 1842. Bei der Uraufführung im Leipziger Gewandhaus spielte Felix Mendelssohn-Bartholdy den Klavierpart. Er brachte Schumann auch dazu, im zweiten Satz "In modo d'una Marcia" einen lieblicheren Mittelteil einzufügen. Dieses Meisterwerk widmete Schumann seiner Frau Clara.

Schon das "Allegro brillante" vermittelte einen unerschöpflichen Reichtum an Eindrücken, bereichert durch das virtuose Spiel der Pianistin Fumiko Shiraga. Immer wieder erklang das einfühlsame Thema im Klavier, wurde von den Streichern übernommen und variiert und in schnelle Läufe überführt.

Der zweite Satz beginnt etwas düster in Moll, wirkt beschwert von schmerzhaften Belastungen, bis dann eine fast heitere Entlastung erfolgt, wohl die von Mendelssohn-Bartholdy gewünschte liebliche Einlage, die aber wieder durch die dumpfen Akkorde der Schwermütigkeit unterbrochen wird.

Stürmisch beginnt das "Scherzo Molto vivace", das Pianistin und Streichern hohe technische Forderung abverlangt, bis die Melodie in ruhigere Fahrbahn übergeht, aber gleich danach wieder rasant an Tempo zunimmt und ein doppeltes Quintmotiv offenbart. Im Finale werden Motive aus den vorangegangenen Sätzen aufgegriffen, die vor allem die Pianistin brillant aufbereitete.

Johannes Brahms (1833 bis 1897) gab bereits mit zehn Jahren sein erstes offizielles Konzert. Ihm wurde nachgesagt, dass sein Klavierspiel so zart, phantasievoll, aber auch feurig sein konnte, dass es die Zuhörer verzauberte. Nach der Pause wurde sein "Klavierquintett in f-Moll" präsentiert, das später als Sonate für zwei Klaviere umgeschrieben wurde. Dieses Werk wird zu den charakteristischsten von Brahms gezählt.

Der Erste Satz hinterlässt einen majestätischen Eindruck, aufgelockert durch ein figurenreiches Spiel der Pianistin. Das "Andante, un poco Adagio", ein zärtlicher, tröstlicher Satz, lehnt sich stark an das Lied "Pause" von Franz Schubert an und verrät im weiteren Verlauf eine gewisse Einsicht ins Unabänderliche. Das "Scherzo Allegro-Trio" in Miniatur-Sonatenform steigert sich zu einem großartigen Höhepunkt.

Auch der letze Satz ist eine Art Sonatenform. Die kontrapunktische Entwicklung beider Themen erreicht eine große Intensität, die nach dem zaghaften Beginn nicht zu vermuten ist. Doch dann schwellen das Tempo und die Lautstärke an. Die Melodie wird fordernd-eindringlich, auch mit rasanten Triolen - eine Glanzleistung des Quartetts und der Pianistin. Dies wurde auch mit starkem Beifall und Bravo-Rufen belohnt.

Mehrere Male mussten die Dame und die vier Herren erscheinen und sich beim Publikum für den Applaus bedanken. wi

Fränkische Nachrichten 2. Juni 2008

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