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Bronnbacher Musikfrühling
Jahresprogramm 2008

Amüsantes und Anstrengendes (am Freitag, den 30.05.2008)

Bronnbach. Im Rahmen des "Bronnbacher Musikfrühlings 2008" fand das erste von fünf Konzerten am Mittwoch in der Klosterkirche statt. Das Kammerorchester "Camerata Würzburg" unter Leitung des Vorsitzenden des "Förderkreises Bronnbacher Klassig", Professor Reiner Schmidt, ist in Bronnbach nicht unbekannt, Seine internationalen Erfolge sprechen für sich. Aber auch Reiner Schmidt hat eine reichhaltige Dirigentenerfahrung und ist seit Mai 2008 auch Professor an der Universität in Sydney, Australien. Diese Vortragsreihe wird in Zusammenarbeit mit dem Main-Tauber-Kreis, privaten Sponsoren und den Fränkischen Nachrichten präsentiert.

Das Eröffnungskonzert wurde mit einer höchst amüsanten Komposition Georg Friedrich Telemanns (1681-1767), der Orchestersuite G-Dur "Bourlesque de Quiotte" eingeleitet. Telemann, der Organist an den fünf Hamburger Hauptkirchen war, komponierte über 1000 Werke und galt als Vorbereiter der Klassik. Der junge Johann Sebastian Bach wanderte nach Hamburg, um Telemans Orgelspiel zu hören.

Die vor Musizierlust sprudelnde Suite umfasst acht Teile, beginnend mit einer fröhlichen Ouvertüre im punktierten Rhythmus. Es folgte das "Erwachen Don Quixottes" nunmehr in ruhigeren Bahnen in Piano-Lautstärke und im Dreiertakt. Im Presto-Tempo interpretierte Telemann nun den "Angriff auf die windmühlen", wobei die Streicher und die Cembalistin technisch enorm gefordert wurden.

Musikalisch treffend gelangen die "Liebesseufzer nach der Prinzessin Doulcinee", inbrünstig aufwallend. Mit einer vitalen Ausdruckskraft gestaltete Telemann den Aerger des "geprellten Sancho Pansas" und ließ gleich danach im Dreivierteltakt Pferd "Rosinante" davon galoppieren. Ihr folgte ebenso der Esel Sancho Pansas. Zum Abschluss wurde "Don Quixottes Ruhe" in etwas aufgeregter Weise dargestellt in gleichartigen dahinjagenden Passagen. Dass diese Suite den Zuhörern gefallen hat, bekräftigen sie durch lang anhaltenden Applaus.

Nachfolger Telemanns als Kirchenmusikdirektor Hamburgs wurde Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1799), der aber 26 Jahre Hofcembalist Friedrich des Großen war. Mozart sagte: "Er ist der Vater, wir sind die Bub'n. Wer was recht's kann, hat's von ihm gelernt."

Das Konzert für Flöte d-moll" dürfte er wohl für seinen Herrn komponiert haben, das nun von der Camerata gespielt wurde. Als Flötensolistin hatte Schmidt Tatjana Ruhland gewonnen, Preisträgerin bedeutender internationaler Wettbewerbe. Man könnte diese Darbietung als Höhepunkt des Konzerts bezeichnen, denn Orchester wie Solistin ergänzten sich hervorragend, was sich schon im "Allegro" zeigte. Ruhland brachte ihre Querflöte zum "Singen", dezent begleitet vom Orchester.

Wie feinfühlig eine Querflöte erklingen kann, das erlebten die Zuhörer im nächsten Satz "Un poco andante", eine Melodie voller Ehrerbietung, beinahe andächtig. Hier ist auch eine wohlklingende Kadenz der Solistin hervorzuheben. Wie virtuos Tatjana Ruhland ihre Querflöte vor allem technisch beherrscht, führte sie im letzten Satz

"Allegro di molto" vor. Die Zweiunddreißigstel-Läufe beeindruckten ungemein, und auch das Orchester hielt wacker mit. Der Beifall, der nach dem letzten Takt einsetzte, glich einer Ovation, vor allem für die Solistin. Da war wohl eine Zugabe unvermeidlich.

Nach der Pause wurde es moderner. Mit einer originellen, eigenartigen Komposition wartete der amerikanische Komponist Charles Ives (1874-1954) auf, wohl nicht für jedermanns Ohren bestimmt. Allmählich stärker werdend war eine etwas düstere Musik zu hören, die dann durch Trompetenstöße unterbrochen wurde. Dazu gesellten sich dissonante Flöteneinsätze - nicht unbedingt ein Hörgenuss!

Dieses Stück war nicht einfach zu spielen und zu dirigieren, zumal sich die Bläsergruppe hinter dem Absperrgitter befand. Trotz dieses Klangradikalismus wurde Beifall gespendet.

Erholsam war zum Schluss des Konzerts eine Komposition Arnold Schönbergs (1874-1951), der als Vertreter der sogenannten "Atonalität" , einem Musiksystem, das auf der Wertgleichheit aller zwölf chromatischen Tönen besteht, Weltruhm erlangte. Noch vor dem ersten Weltkrieg wurden in den Zeitungen seine Kompositionen als "Unglücksfälle und Verbrechen" bezeichnet. In dem Werk "Verklärte Nacht" wendete sich Schönberg wieder mehr der tonalen Kompositionsform zu. Als Vorbild diente wohl das Gedicht von Riachard Dehmel: "Zwei Menschen gehen durch kahlen, kalten Hain, der Mond läuft mit , sie schaun hinein." Und so beginnt das Stück mit einer absteigenden chromatischen Figur, dem "Mondschein-Thema.

Ein Scherzo leitet zur Liebeserklärung des Mannes über. Bemerkenswert ist eine "Cellokantilene". Hochbefriedigt von diesem musikalischen Erlebnis spendeten die Zuhörer lang anhaltenden Beifall, und Reiner Schmidt musste mehrmals wieder erscheinen und sich für diese großartige Zustimmung bedanken. Aber eine Zugabe wurde nicht gewährt. wi

Fränkische Nachrichten 30. Mai 2008

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