[*pagetitle*]

Bronnbacher Musikfrühling
Jahresprogramm 2006

Der Beifall wollte überhaupt nicht enden (am Mittwoch, den 17.05.2006)

 Voces Quartett

Das berühmte "Voces-Quartett", dem bereits seit 30 Jahren Bujor Prelipcean (1. Violine), Anto Diaconu (2. Violine), Constantin Stancio (Viola) und Dan Prelipcean (Violoncello) angehören, gastierte anlässlich der Mozartfestwoche nach fünf Jahren wieder im Josephssaal des Klosters Bronnbach. Trotz der Baden-Württemberg-Tage in Wertheim hatten sich zu dem Konzert an die 280 Besucher eingefunden. Und wenn man die Ovationen nach dem Schlusstakt berücksichtigt, so muss dieses Konzert überaus gut gefallen haben, denn die Akteure wurden mehrere Male "herausgeklatscht".

Der Vorsitzende des Förderkreises "Bronnbacher Klassik", Professor Reiner Schmidt, äußerte im Gespräch, dass dieses Quartett zur Zeit eines der besten überhaupt sei. Nun, die Leistung der vier rumänischen Musiker bestätigte diese

Beurteilung voll und ganz.

Das Voces-Streichquartett wurde 1973 von Absolventen der Hochschule für Musik in Iasi gegründet.. Es nahm an internationalen Wettbewerben teil und gewann zahlreiche Preise. Der siebzehnjährige Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) reiste mit seinem Vater Leopold 1772/73 nach Mailand, und er schrieb während dieser Reise im Winter sechs Quartette, darunter auch das in C-Dur in den Sätzen Allegro-Andante-Presto. Hier hielt sich Mozart an den italienischen Stil: schnell - langsam - schnell. Beim "Andante" im Dreivierteltakt fällt auf, dass oft die Violinen und die Viola das Cello zur Fortsetzung auffordern. Fast ohne Übergang beginnt das "Presto" und hält die Streicher ganz schön auf Trab. In Wien widmete Mozart seinem Vorbild, Joseph Haydn, sechs Streichquartette, und eins davon in B-Dur, verfasst 1784, bekannt als "Jagd-Quartett", wurde präsentiert.

 

Mozart verwendete im 1. Satz "Allegro vivace assai" zur damaligen Zeitbekannte Jagdthemen und erreichte damit eine angeregte, freudige Grundstimmung, die gelegentlich ins Träumerische gerät. Beide Mittelsätze, das "Menuett", besonders aber das "Adagio", sind von intensiver Leidenschaft erfüllt mit einer anziehenden Melodik. Unverkennbar ist in gewisser Hinsicht die Handschrift Haydns erkennbar. Beim "Allegro assai" klingt der beschwingte heitere Grundton des ersten Satzes wieder an. Übrigens hat Vater Leopold an seine Tochter über diese Komposition seines Sohnes geschrieben, dass sie vortrefflich "componirt" sei. Schon vor Beginn des Konzerts hatte Professor Schmidt bekanntgegeben, dass Cellist Wolfgang Boettcher, der zusätzlich für das Quintett Franz Schuberts (1797-1828) gebraucht wurde, erkrankt sei, man aber glücklicherweise für ihn Professor Orfeo Mandozzi habe gewinnen können, der in der Schweiz geboren wurde, in Paris, Mainz und New York studierte, in Wien lebt, aber kürzlich einen Lehrauftrag an der Musikhochschule in Würzburg erhalten habe. Zwei Monate vor seinem Tode schrieb Schubert das Quintett für zwei Violinen, Viola und zwei Violoncelli in C-Dur. Er hatte damit aber kein Glück bei seinem Verleger, der das Werk ablehnte, weil der "eigene, sowohl oft geniale als wohl auch mitunter etwas seltsame Gang Ihrer Geistesschöpfungen" noch nicht verstanden werden. Sogar der große Geiger Joachim hatte keine Freude daran. Aber später wurde es eines seiner Lieblingsstücke. Man wunderte sich auch darüber, dass Schubert nicht wie Mozart und Beethoven zwei Bratschen eingesetzt hatte. Aber das Werk quillt von Melodien geradezu über, und die Celli schwelgen in Kantilenen, bereits im ersten Satz "Allegro man non troppo", der im Aufbau, melodischer Schönheit und Kontrastierung der Themen einzigartig ist. Eine Art von "himmlischen Frieden" strahlt das "Adagio" aus. Der Hauptteil des "Scherzos" ist voller

Kontraste, das Trio voller dunkler schwermütiger Resignation. Etwas aus dem Rahmen fällt der letzte Satz, das "Allegretto". Schubert gestaltete es mit volkstümlichen Zügen und man konnte auch gewisse tänzerische Wendungen nicht überhören und wurde ein wenig an ungarische Zigeunerkapellen erinnert. Musikkritiker Joachim Kaiser hat dieses Werk so gewertet: "Vor dem C-Dur-Quintett verneigen sich alle Menschen, denen Musik etwas bedeutet, glücklich bewundernd - oder sie schwärmen." Dass die fünf Solisten technisch hervorragend waren, braucht eigentlich gar nicht erwähnt zu werden. Ihre besondere Stärke lag aber auch in einer bewundernswerten Fähigkeit, feinfühlig eine Melodie aus dem Fortissimo über das Piano ins Pianissimo zu überführen. Der Beifall wollte nicht enden, und viele Male

mussten die Interpreten erscheinen und sich verbeugen, begleitet von "Bravo!"-Rufen. wi

© Fränkische Nachrichten - 17.05.2006

[zurück]