[*pagetitle*]

Bronnbacher Musikfrühling
Jahresprogramm 2007

Kraftvoll schmetternde Bläser (am Freitag, den 18.05.2007)

 Banatul Timisoara PhilharmonieElena Graf

Ein Orchesterkonzert, das dritte von sechs Konzerten im Rahmen des "Bronnbacher Musikfrühling", fand am Mittwochabend in der Bronnbacher Klosterkirche statt. Zu dieser einwöchigen Konzertreihe hatte der Förderkreis Bronnbacher Klassik in Zusammenarbeit mit dem Main-Tauber-Kreis, privaten Sponsoren und den Fränkischen Nachrichten eingeladen. Professor Reiner Schmidt dirigierte die Philharmonie Banatul aus Timisoara (Rumänien). Solistin an der Violine war die junge "Jugend musiziert"-Preisträgerin Elena Graf, die das Violinkonzert d-moll op. 47 von Jean Sibelius auf mitreißende Weise interpretierte.

Die Philharmonie Banatul, eines der bedeutendsten Orchester Osteuropas, beeindruckte durch das riesige dynamische Spektrum und durch die starke Bläserbesetzung, mit der vor allem bei Anton Bruckners Sinfonie Nr. 4 Es-Dur eine gewaltige Spannweite musikalischen Ausdrucks nicht nur möglich war, sondern vom Dirigenten auch voll ausgeschöpft wurde. Schade, dass vielen potenziellen Konzertbesuchern an diesem regnerischen Vorabend des Feiertags Christi Himmelfahrt offensichtlich nicht nach musikalischer Hochkultur zumute war und viel zu viele Stühle leer blieben. Zum Glück ließen sich die 50 Musiker nicht beirren, sondern begeisterten ihr Publikum vom ersten bis zum letzten Ton durch ihr kontrastreiches, aber immer wohldosiertes und gut aufeinander und auf die Solistin abgestimmtes Spiel.

Elena Graf spielte auf einer historischen Violine von Just-Amade Derazey (19. Jahrhundert). Das Instrument wirkte in tiefen Lagen füllig und tragfähig, in der Höhe filigran und zart, trotz eines manchmal sehr mächtig einsetzenden Orchesters auch bei Forte Übergängen aber niemals zu scharf. Auch mit den überlappend einsetzenden Hörnern und der kraftvollen Blechbläserfraktion, aus Platzgründen mit den Kesselpauken hinter dem Lettner sitzend, korrespondierten Instrument und Solistin hervorragend. Beim dritten und letzten Satz des Sibelius-Konzerts wurden die bis dahin eher weichen und warmen Melodien durch rhythmisch punktierte, volksliedhaft anmutende Motive ergänzt. Hier hatten die Kesselpauken eine fast schlagzeugartige Funktion. Nach einer kraftvollen Steigerung und dem abschließenden, mächtigen Schlussakkord folgte begeisterter Applaus. Dem Wunsch nach einer Zugabe kam Elena Graf mit einem Solostück nach, das die Klangschönheit des Instruments und das Können der Solistin noch einmal eindrucksvoll zu Gehör brachte. Zu der nach der Pause folgenden Urfassung von Bruckners Sinfonie Nr. 4, der so genannten Romantischen, wurde das Orchester durch eine weitere Trompete und durch eine Tuba verstärkt. Dieser nun äußerst potent besetzte Posaunenchor faszinierte im Laufe der Komposition immer mehr. Vorbereitet durch die vier Hörner, steigerten die Blechbläser die von den Streichern initiierte Anfangsstimmung zu einer immer intensiver werdenden majestätischen Mächtigkeit. Die äußerst dezent agierenden Kesselpauken, dem Pizzikato der Celli manchmal zum Verwechseln ähnlich und die feine Melodie der Bratschen zur hochpräzisen Pizzikatobegleitung der Violinen im zweiten Satz gehörten sicherlich zu den schönsten Stellen der Sinfonie.

Im Scherzo und vor allem im ausgedehnten Finale wurde der Kontrast zwischen den weichen Streichern und den immer kraftvoller schmetternden Blechbläsern immer dramatischer. Zunächst unisono, später in immer volleren Harmonien, bestimmte das Trompeten- und Posaunenregister immer deutlicher das musikalische Geschehen bis zu den abschließenden mächtigen Fortissimo-Akkordfolgen. Die begeisterten Zuhörer schienen für diejenigen mitapplaudieren zu wollen, die nicht da waren, denn der außergewöhnlich starke Beifall hätte auch in einer voll besetzten Klosterkirche kaum intensiver sein können. Rainer Lange

© Fränkische Nachrichten - 18.05.2007

[zurück]