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Bronnbacher Musikfrühling
Jahresprogramm 2007

Harmonie vom ersten Bogenstrich an (am Sonntag, den 13.05.2007)

Zwei Quartette beim "Bronnbacher Musikfrühling" zu Gast Im Rahmen des "Bronnbacher Musikfrühlings", einer Präsentation der Fränkischen Nachrichten, gastierten am Sonntagabend im Josefssaal zwei international bekannte Klangkörper: Das rumänische "Voces Quartett" (Bujor Prelipcean, Anto Diaconu, Constantin Stancio und Dan Prelipcean), und das "Vogler Quartett" (Tim Vogler, Frank Reinecke, Stefan Fehjlandt und Stephan Vorck). Das Voces-Quartett hatte sich nicht gerade das leichteste Werk Ludwig van Beethovens (1770-1827) ausgesucht, das Quartett Nr. 3 C-Dur, Opus 59. Alle drei Quartette waren dem russischen Botschafter, Graf Rasumowsky, zugeeignet. Die vier Musiker waren vor allem in den Allegro-Sätzen technisch enorm gefordert und hatten des öfteren Zweiunddreißigstel zu bewältigen. Hier brillierte besonders der erste Geiger, Bujor Prelipcean. Das Quartett beginnt mit einem fast klagenden "Andante com moto" und geht bald in ein "Allegro vivace" über. Nun beginnt für längere Zeit die rasante Fingerarbeit der Solisten. Den nächsten Satz hat Beethoven mit "Andante con moto quasi Allegretto" bezeichnet. Das "Menuetto Grazioso" wird vom Cello eingeleitet, auch mit Pizzicato. Es entwickeln sich zahlreiche "Zwiegespräche" zwischen den Instrumenten und  wiederholungen. Noch einmal wird hohe Technik im abschließendem "Allegro molto" gefordert, auch in sehr schnellen Triolen – meisterhaft von allen Musikern geboten.

Beethoven komponierte insgesamt 17 Streichquartette, und die letzten, darunter die "Große Fuge BDur (Opus 133)" bildeten wohl die Krönung der Kunst Beethovens. Dieses Werk wurde ebenso perfekt von dem Vogler-Quartett präsentiert wie vordem das C-Dur Quartett. Hier fand Beethoven eine kühne und freie Führung der Stimmen. Theodor Helm hat diese Quartett-Fuge als die genialste "Augenmusik" bezeichnet, die je geschrieben worden sei, auch wenn Härten auf Härten angehäuft werden.

Mit kräftigen Bogenstrichen leitet der Cellist die "Overtura" ein, bevor fast zaghaft die übrigen Instrumente einsetzen, die sich mitunter in prägnanten punktierten Sequenzen ergehen. Einbezogen ist auch ein stimmungsvolles Andante, bevor das erste Allegro sich andeutet und sich zu einer Sturmflut ausweitet. Auch dieser Beitrag wurde von den zahlreichen Zuhörern gebührend gewürdigt und die Akteure mehrmals auf die Bühne geholt.

Nach der Pause stand den Kammermusikfreunden eine besondere musikalische Delikatesse bevor - das "Oktett Es-Dur" von Felix Mendelsohn-Bartholdy (1809-1847). Er galt als ein poetisch aufrichtiger und empfindsamer Künstler, der dieses Oktett bereits mit 16 Jahren komponierte, genial in der Erfindung und formvollendet im Aufbau. Beide Quartette hatten sich zu einem bewundernswerten Klangkörper zusammengefügt und harmonierten vom ersten Bogenstrich an glänzend, so schon im schwungvollen ersten Satz "Allegro moderato ma con fuoco". Man sah bei den Solisten durchweg heitere, lächelnde Gesichter, ein Zeichen dafür, dass ihnen ihr Spiel viel Freude bereitete. Und so strömte die Melodie auch glanzvoll unbeschwert dahin, ein Genuss für die Zuhörer. Das "Andante" beginnt mit beruhigenden, bedächtigen Wiederholungen, und diesen Charakter behält dieser Satz bei bis zum "Scherzo", dem wohl interessantesten Satz, der schon zu Beginn nur so vor Lust sprüht und die Solisten technisch auf Trab hält. Da huschen die Tonfiguren ineinander verquickt dahin wie im "Walpurgisnachtstraum". Da gibt es auch "Tremulando-Schauer" und aufblitzende Pralltriller, und man wähnt sich der Geisterwelt nahe. Dieser so begeisternde Satz geht in den Schlusssatz "Presto" über, der den virtuos spielenden Musikern nochmals Hochtechnik abfordert. Nun erhob sich stürmischer Applaus mit Bravorufen und Zugabeforderungen, die auch erfüllt wurden. Wi

© Fränkische Nachrichten - 15.05.2007

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