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Bronnbacher Musikfrühling
Jahresprogramm 2007

Eins mit dem Instrument (am Montag, den 14.05.2007)

 Banatul Timisoara PhilharmonieFumiko Shiraga

"Großartig", "prächtig", "ausgezeichnet", "wunderschön" - so und ähnlich klangen unisono die Urteile am Ende des Konzerts, bei dem mit Werken von Ludwig van Beethoven der "Bronnbacher Musikfrühling" eröffnet wurde.

"Es lässt sich wohl kaum ein schöneres Ambiente vorstellen für Kultur, Kunst und Musik als eine alte Abtei wie das Kloster Bronnbach", betonte dazu Professor Dr. Wolfgang Reinhart, MdL,

der Bevollmächtigte des Landes Baden-Württemberg beim Bund, und freute sich, dass - nach dem großartigen Erfolg mit der Mozartfestwoche 2006 - in diesem Jahr der "Förderkreis Bronnbacher Klassik" zum ersten Mal (in Zusammenarbeit mit dem Main-Tauber-Kreis, den Fränkischen Nachrichten sowie mehreren Sponsoren aus der Wirtschaft) diesen Musikfrühling präsentierte. "Dessen Engagement ist es zu verdanken, dass wir hier im Lieblichen Taubertal im Wonnemonat Mai an mehreren Konzertabenden wieder durch die Welt der klassischen Musik reisen können", meinte der Minister dazu und würdigte den Vorsitzenden des Förderkreises, Professor Reiner Schmidt, sowie allen, die durch ihre Mitwirkung diese Veranstaltungsreihe erst möglich gemacht hätten. An diesem Abend sei Baden-Württemberg mit Rumänien nicht nur durch das blaue Band der Donau verbunden, sondern auch durch die gemeinsame Liebe zur Musik, hob Reinhart abschließend hervor und begrüßte das Orchester Philharmonie "Banatul" aus Timisoara, das neben dem Eröffnungskonzert auch an weiteren Abenden dieser Reihe zu hören sein werde. Und gleich beim ersten Werk, der Coriolan-Ouvertüre, bewies dieser homogene Klangkörper seine Qualität, ließ sein musikalisches Temperament und seine hohe Musikalität fast körperlich spürbar werden, nahm dazu seinem Dirigenten Reiner Schmidt äußerst konzentriert jede Nuance ab, und wusste dabei dennoch mit spielerischer Leichtigkeit zu überzeugen. Ursprünglich als musikalische Einleitung des heute vergessenen Trauerspiels von dem Österreicher Heinrich von Collin, hat sich diese quasi "Sinfonische Dichtung" mittlerweile zum festen Repertoire eines Orchesters gehörend entwickelt. Hervorragend gelang es nun den Instrumentalisten - auch wenn das Stück im eigentlichen Sinn nicht als Programm-Musik verstanden sein will - in den dramatischen, sich wiederholenden und aufwuchtenden Achteln des Hauptthemas die trotzige Verblendung des Helden zu charakterisieren, der gegen die eigene Vaterstadt zu Felde zieht; und dagegen im dahinfließenden, fast flehenden Seitenthema die Stimme des Gewissens sprechen zu lassen, das, im Wechsel mit fast dissonanter Färbung und starren Tonblöcken sich mit dem ersten Thema mischte und das letztlich im pianissimo der tiefen Streicher verlosch.

Eine ungeheure Leichtigkeit in ihrem Spiel, mühelos scheinendes Gleiten über die Tasten, aber auch mit der gleichen Selbstverständlichkeit ein Fortissimo beherrschend, wurde sie eins mit ihrem Instrument und schien dabei in ihren Tönen zu versinken - Fumigo Shiraga, die junge japanische Pianistin, die ihr Publikum mit ihrem Spiel zu fesseln, aber auch zu be- und verzaubern verstand – und das bei einer Schwierigkeit, die Beethoven bei der Aufführung seines Klavierkonzerts Nr. 5 einst selbst den Part übernehmen ließ, da dabei in der damaligen Vorstellung die pianistische Leistungsfähigkeit eines Spielers an eine fast unüberschreitbare Schwelle stieß. Mit immenser Bewegung ließ sie die scheinbar freie Improvisation wie ein Präludium auf den Tasten rauschen, dann, von ruhigen Akkordfolgen im Orchester unterbaut, lyrische Passagen unvermittelt in marschartige Rhythmik übergehen, um sie dann wieder verklingen zu lassen. Dicht zeigten sich die motivischen Netze, dennoch klanglich klar abgegrenzt die einzelnen Instrumentalgruppe, wobei sie fast wie einzelne Chöre wirkten und so für eine völlige Ausgeglichenheit sorgen. Nach diesem strahlenden Allegro wirkte das folgende Adagio sehr ruhig, fast ein wenig melancholisch und – selbst im mezzoforte - sehr zurückhaltend und wo sich, dem Sang wallfahrender Pilger ähnlich, das Klavier

in ruhigen Triolenfolgen mischt. Attacca ging es schließlich ins Rondo des letzten Satzes über, das sein Thema erst vom Klavier und dann vom vollen Orchester aufnehmen lässt und variierend in den Stimmen erscheint.

Minutenlanger Beifall belohnte diese glanzvolle Leistung, und so spielte die Pianistin einen fast abendliedhaften Satz aus der Appassionata als Zugabe für ihr dankbares Publikum. Nach der Pause erklangen im Fortissimo die vier suggestiven und wohl weltweit bekannten vier Töne g, g, g, und es, drei Achtel und eine Halbe, aus denen sich ein ganzes mächtiges sinfonisches Werk entwickelt - die 5. Sinfonie c-Moll, opus 67. Der ganze erste Satz wird von diesem einen Motiv beherrscht. Immer wieder mischt es sich in die Stimmen, huscht durch die Instrumente, steigert sich und fällt wieder zurück. Fast wie ein tröstliches Gegenstück dann das Andante des zweiten Satzes, wo über gezupften Kontrabässen Celli und Bratschen einen innigen Gesang anstimmen, Geigen und Holzbläser spinnen ihn weiter, dann - immer wieder den klopfenden Rhythmus des Grundmotivs dabei - klingt in den Bläsern das wuchtig-sieghafte zweite Thema durch, um schließlich wieder in das Trostthema zurückzufinden. Der ins Abtaktige gewandelte Rhythmus des Hauptthemas erscheint nun wieder im Allegro, wandelt sich in Moll, um schließlich in einem triumphalen Jubel des marschartigen Finales zu enden.

Wie schon gesagt, eine hervorragende Leistung des Orchesters, nicht zuletzt aber auch des Dirigenten - bei dem es übrigens fast ein Vergnügen war, ihm bei seiner Arbeit zuzuschauen - sparsame Gestik wechselte mit weitausholendem Körpereinsatz, ließ er quasi die Musik durch sich hindurchströmen, um sie an sein Orchester weiterzugeben. Aber das alles wirkte wie mit leichter Hand und (erfreulicherweise) ohne jede "Mätzchen", die man bei so manchem Orchesterleiter sieht. Zum Schluss dieses einmaligen Konzerts dankte dann Dr. Adalbert Ruhnke namens des Vorstands

Bronnbacher Klassik den Musikern für ihre außergewöhnliche Leistung, freute sich aber auch, dass das zahlreich erschienene Publikum durch sein "Abstimmen mit den Füßen" gezeigt habe, wie sich Kultur und Sponsoring auch heute lohne. Nach der Welt der Töne und Gefühle finde der Kulturgenuss nun eine interessante Fortsetzung, meinte er abschließend, und lud in den Bernhardsaal zum Frühlingsdinner ein, das die Firma Hofmann-Menü ausgerichtet hatte, und wo man schließlich noch lange bei gutem Essen und guten Gesprächen einen wunderbaren Abend ausklingen ließ. Nicht so ganz verständlich allerdings, dass während eines Konzerts solcher Güte es einigen Besuchern offenbar notwendig erschien, einen privaten Gedankenaustausch zu pflegen - zwar netterweise flüsterns, nichtsdestoweniger für die Umsitzenden ziemlich störend.

© Fränkische Nachrichten - 14.05.2007

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