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Jahresprogramm 2006

15 Musiker begeistern (am Montag, den 13.11.2006)

Daniel RöhmReiner Schmidt Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim

Bronnbach. Ein Konzertbesuch in Bronnbach garantierte bisher immer ein hochkarätiges Musikerlebnis. So auch am Samstag, als im Bernhardsaal das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim unter Leitung von Professor

Reiner Schmidt gastierte. Die 15 Musiker stammen aus sieben Nationen und fanden international höchste Anerkennung. Bekanntlich ist Professor Schmidt seit 2002 Vorsitzender des "Förderkreises Bronnbacher Klassik e.V." und brachte schon so manchen hörenswerten Klangkörper nach Bronnbach. Der Bernhardsaal war zu zwei Dritteln besetzt. Viele Zuhörer waren von weitem angereist. Geboten wurde ein Divertimento von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791), eine Kammersinfonie von Dimitri Schostakowitsch (1906 bis 1975) und ein Konzert für Klavier und Orchester von Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827).

Im Alter von 16 Jahren bereits schrieb Mozart drei Divertimenti, eine Art Unterhaltungsmusik. Gespielt wurde das Divertimeti in D-Dur, ursprünglich ein dreisätziges Quartett mit virtuos geführten Violinen, die gleich im ersten Satz,

dem Allegro, enorme Fingerfertigkeit verlangten, eine Anhäufung von rasanten Quartolen. Die Streicher wurden mit dieser technischen Forderung in vorbildlicher Weise fertig. Da saß auch jeder Griff. Das Andante wiederum beschwichtigte in der Melodieführung im Sechsachteltakt, die beruhigend dahinfloss.

Mit der Ruhe war es dann beim "Presto" vorbei. Wieder flogen die Geigenbögen mit hoher Geschwindigkeit über die Saiten. Es war wiederum eine Freude, diesem hervorragenden Orchester nicht nur zuzuhören, sondern auch zuzusehen. Da wurde das Thema präzise von den Violinen zu den Bratschen und Celli übernommen.

Dimitri Schostakowitsch erhielt bereits in früher Jugend von seiner Mutter, die eine ausgezeichnete Pianistin war, Musikunterricht und studierte am Petersburger Konservatorium. Seine Kompositionen sind von einem starken und tiefen Gefühl getragen, so auch sein 8. Streichquartett c-Moll, das 1960 entstand. Damals besuchte Schostakowitsch das immer noch stark zerstörte Dresden und war so erschüttert, dass er das Quartett in drei Tagen komponierte. Es wurde von Rudolf Barschai für ein Streichorchester bearbeitet. Das Hauptthema besteht aus seinem "Tonmonogramm" D-Es-C-H. Die Kammersinfonie umfasst fünf Sätze, die ohne Unterbrechung vorgetragen wurden. Vor allem im ersten Satz, dem Largo, wollte der Komponist wohl das zerstörte Dresden musikalisch darstellen, klagend in tiefen Tönen, vom Piano zum Forte anschwellend und wieder im Piano düster versinkend. Dagegen aufwühlend ist der zweite Satz, das "Allegro molto" gestaltet und meldet sich mit Forte-Schlägen an, begleitet von Presto-Figuren der Streicher, wieder eine Meisterleistung an technischem Können, allerdings nicht unbedingt ein Ohrenschmaus.

 

Immer wieder sind knallharte Akkordschläge eingearbeitet. Im "Allegretto" kann man sogar das "Schluchzen" der Violinen und Bratschen vernehmen. Beinahe als aggressiv könnte man die drei Forte-Bogenstriche aller Instrumente

bezeichnen. In kurzen Abständen hintereinander ertönen sie. Melodieführend sind hierbei vor allem die beiden Celli. In den beiden abschließenden Largos wird über das Schicksal Dresdens weiter geklagt. Beethoven schrieb das G-Dur-Konzert 1805 aber es wurde erst 1808 in Wien uraufgeführt, und er übernahm selbst den Solopart fürs Klavier. Beinahe wäre das Klavierkonzert in Vergessenheit geraten, doch Felix Mendelssohn Bartholdy führte es 1836 in Leipzig wieder auf. Schumann wohnte dem Konzert bei und schrieb darüber: "Heute spielte Mendelssohn das G-Dur-Konzert von Beethoven mit einer Meisterschaft und Vollendung, die alle hinriss."

Reiner Schmidt hatte ebenfalls einen hochqualifizierten Solisten gewonnen, Daniel Röhm, 1974 in Böblingen geboren, der für sein virtuoses auswendiges Spiel viel Beifall und Bravo-Rufe erhielt. Besonders gut gelangen ihm die rasanten Läufe über die gesamte Klaviatur. Schon den ersten Satz eröffnete er mit einem Klaviersolo. Das Motiv übernehmen die Orchesterstimmen. Es folgt das in marschähnlichem Charakter gehaltene zweite Thema. Nur kurz ist der zweite Satz, das "Andante con moto", aber es gehört zu den bekanntesten Konzertsätzen. Besonders fesselnd wirkt die "Wechselrede" zwischen den Streichern und der klagenden Melodie des Klavierparts. Der dritte Satz, das "Rondo-Vivace" strahlt Zuversicht und Lebensfreude aus. Das Zwiegespräch von Klavier und Orchester wird fortgesetzt, wenn auch im Gegensatz zu jenem im vorhergehenden Satz. Daniel Röhm fand in diesem Satz genügend Gelegenheit, mit seinem technischen Spiel zu brillieren.

Insgesamt hatte man den Eindruck, dass dieses Werk einen symphonischen Charakter aufwies. Einige Male mussten Röhm und Schmidt wieder erscheinen und für den stürmischen Applaus danken. Dann setzte sich Röhm nochmals an den Flügel und intonierte aus Franz Schuberts Liederzyklus "Die schöne Müllerin" gefühlsbetont ein Lied. wi

© Fränkische Nachrichten - 13.11.2006

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