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Bronnbacher Musikfrühling
Jahresprogramm 2006

Interview mit Clarry Bartha (am Samstag, den 06.05.2006)

Clarry Bartha

Von unserem Redaktionsmitglied Melanie Müller Der Förderkreis Bronnbacher Klassik veranstaltet anlässlich des 250. Geburtsjahres von Wolfgang Amadeus Mozart und in Zusammenarbeit mit den Fränkischen Nachrichten sowie privaten Sponsoren von Samstag, 13. Mai, bis Sonntag, 21. Mai, eine Mozartfestwoche in Kloster Bronnbach. Da die fünf Konzerte teilweise ausverkauft sind, hat sich der Veranstalter entschlossen, das fünfte Konzert am Samstag, 20. Mai, am Sonntag, 21. Mai, um 11.30 Uhr zu wiederholen. Zu Gehör kommen dabei unter der Leitung von Prof. Reiner Schmidt die Ouvertüre zu "Figaros Hochzeit", zwei Konzertarien mit der in Schweden geborenen und seit vielen Jahren in Boxberg lebenden Sopranistin Clarry Bartha und die "Jupiter-Sinfonie" mit der Philharmonie "Moldova". Im FN-Interview verriet die international bekannte Sopranistin Clarry Bartha, erste Preisträgerin bei den Gesangswettbewerben Beniamino Gigli und Vincenzo Bellini, was ihr Kraft gibt, worauf sich die Zuhörer freuen dürfen - und sie schwärmte über den "Knüller" Mozart, mit dem sie gerne einmal zu Abend gegessen hätte.

Frau Bartha, Sie sind international gefragt als Konzertsängerin. Was macht für Sie den Reiz aus, in Kloster Bronnbach aufzutreten?

BARTHA: Bronnbach ist meine Heimat, meine Heimat seit sieben Jahren. Seit man Mann und ich damals den Bernhardsaal zusammen eingeweiht haben ist Bronnbach für uns ein Heimatort. Wir haben den Förderverein gegründet. Das schöne kulturelle Haus liegt fantastisch, und wir fühlen uns familiär verbunden mit Bronnbach. Es gehört ein bisschen zu unserem Leben.

Die Karten für das von Ihnen im Rahmen der Mozartfestwoche gestaltete Abschlusskonzert stießen auf so großen Anklang, dass vom Veranstalter ein weites Konzert anberaumt wurde. Haben Sie mit dieser Resonanz gerechnet?

BARTHA: Ich habe gehofft, dass es so kommen sollte. Und ich hoffe, dass neben all den anderen Konzerten auch das Abschlusskonzert am 21. Mai bald ausverkauft sein wird - weil es sehr reizvoll ist, auch für mich, den musikalischen Auftakt an diesem Tag mit einem Weinbrunch ausklingen zu lassen.

Was erwartet die Zuhörer bei Ihrem Auftritt?

BARTHA: Ich habe immer das gleiche zu bieten: meine Stimme. Ich versuche, mein Bestes zu bringen - und wenn es klappt, dann bin ich selig. Ich glaube, jeder erwartet auch, dass ich singe wie immer, dass die Stimme gesund ist.

Wie bereiten Sie sich vor?

BARTHA: Ich habe einen wunderbaren Pianisten, mit dem ich seit drei Jahren zusammenarbeite: Thilo Winter. Er wohnt in Distelhausen, ist Dozent an der Hochschule. Er hilft mir, hat mich während der ganzen großen Rollen in den letzten drei Jahren vorbereitet. Ich mache meine Übungen wie jede andere Sängerin. Meine Stimme ist im Moment sehr wach, weil ich so viel singe. Ich habe gestern Abend gesungen, ich singe morgen Abend.

Was gibt Ihnen Kraft?

BARTHA: Vieles. Die Kraft ist die Hoffnung. Es ist ein wunderbarer Luxus, die Hoffnung zu haben. Meine Kinder, meine Freunde geben mir Kraft. Ich bin eine sehr optimistische Person, gefährlich optimistisch. Und es gibt die kleinen Momente im Leben, wenn man richtig glücklich ist, die man festhalten sollte. Sie sind wie eine Insel am Tag, in der Woche. Und wenn ich mal unglücklich bin, Probleme und Schwierigkeiten habe, dann erinnere ich mich an diese kleinen Inseln. Ich kann aber auch traurig sein, oder wütend werden. Das passiert aber sehr selten. Ich bin mehr melancholisch, traurig. Ich mache mir Sorgen, ich trage vieles im Herzen. Ich verdränge alles. Aber dann holt es mich irgendwann ein, dann kommt es raus. Grundsätzlich bin ich aber eine optimistische Person, romantisch, melancholisch - so wie alle Menschen, die aus dem Norden kommen. Kraft schöpfe ich von meinem alltäglichen Leben, von Sorgen, von Familie, Freunden, schönen Momenten - das ist etwas im Leben, von dem man zehren kann.

Und die Kraft für die Bühne?

BARTHA: Erfolg ist eine fantastische Sache, vor allem der Applaus, wenn man auf die Bühne tritt. Erfolg gibt einem Kraft, das dauert aber nur ein paar Sekunden, Minuten vielleicht - und am nächsten Tag ist dieses Gefühl nicht mehr da, da muss man es neu erarbeiten. Kraft ist, wenn man weiß: Es hat gefunkt, man hat jemanden mit seinem Gesang berührt, jemanden sehr glücklich gemacht hat - das ist unvergesslich. Das ist größer als der Erfolg. Auch das Lob von Kollegen gibt einem Kraft.

Beethoven, Verdi, Strauss, Mahler - was hebt Mozart ab von dieser Reihe von weltberühmten Komponisten?

BARTHA: Alles! Mozart war ein Genie - so wie viele andere Komponisten natürlich auch. Ich habe angefangen mit den ganzen Mozart-Opern: "Don Giovanni", "Figaro", "Cosi fan tutte". Diese drei Opern habe ich am Anfang gesungen. Als Gräfin in "Figaro" hatte ich 70 Vorstellungen, von "Cosi fan tutte" habe ich sechs, sieben Produktionen gemacht. Ich habe es geliebt. Das war wunderbar für die Stimme, ich konnte auf die Bühne, hatte die Spielfreude. Die Mozartrollen haben eine große intellektuelle Wahrheit, wenn man die damaligen Verhältnisse betrachtet: Er muss ein Knüller gewesen sein - und hat auch vor prekären Libretti nicht Halt gemacht. Bestes Beispiel sind die persönlichen Verwicklungen in "Cosi fan tutte" und das Sozialkritische in "Figaros Hochzeit", die Musik, da stimmte alles. Wenn man die Ouvertüre von "Don Giovanni" hört, denk man jedes Mal: Wieso hört man das nicht öfters? Eines meiner Lieblingsstücke von Mozart ist "Sinfonia Concertante" für Bratsche, Geige und Orchester. Das ist eine Musik, die unmittelbar berührt - kleine wie große Leute, man kann das nicht erklären. Mozart als Komponist, als junger Mann – er muss etwas ganz besonderes gewesen sein. (Schmunzelt) Wenn man mit dem mal gemeinsam zu Abend essen könnte…

Sie waren Preisträgerin bei Gesangswettbewerben und sind schon in die verschiedensten Rollen geschlüpft. Welche Rolle hat Ihnen am meisten gelegen und für welche Rolle mussten Sie sich am meisten "verbiegen"?

BARTHA: Ich habe die letzten sechs Jahre nur Rollen gespielt, für die ich mich verbiegen musste, weil sie außerhalb meines vorigen Repertoires lagen. Ich habe im Jahr 2000 angefangen, das Dramatische bis Hochdramatische zu singen. Ich bin zwar dramatisch in meinem Wesen, aber ich habe nie emordet, nie extrem leidenschaftliche Sexszenen gehabt - natürlich habe ich das in der Oper ein klein wenig gespielt, das war aber mehr eine Andeutung von Sensualität. Als "Lady Macbeth von Mzensk" habe ich alles gemacht, auch gemordet. Da war alles drin, alle Facetten - von Glück bis Verzweiflung. Das habe ich wahnsinnig genossen. Am wenigsten verbiegen muss ich mich in der Oper, die ich jetzt singe: "Cavalleria rusticana". Das ist ein bisschen Traditionstheater. Ich liebe es, zu singen, liebe das Musiktheater. Als Tosca, Lady Macbeth, Salome und Jenufa bin ich vielleicht über meinen eigenen Schatten gesprungen. In viele Rollen habe ich wahnsinnig investiert, in die Musik, den Gesang, in die Darstellung. Lady Macbeth und Salome haben von mir enorme Kraft gefordert. Salome und dieser Tanz: Da musste ich viel nachdenken, da ich nicht einfach mal so in einer extremen Situation, leicht bekleidet, für 1000 Leute tanze. Das war wahnsinnig intensiv. In Lady Macbeth war alles drin, was man sich wünscht: die Musik, das Gesangliche und die Interpretation haben sich harmonisch zusammengefügt. Fantastisch! Es ist ein Privileg, sich auf der Bühne ausdrücken zu können.

Was ist Ihr größtes berufliches Ziel?

BARTHA: Die Rollen, die ich jetzt singe, Salome, Lady Macbeth und Jenufa - und vor allem auch die großen Strauss- und Wagner-Rollen - weiter zu singen. Ich möchte diese Rollen unbedingt weiter entwickeln. Das ist eine Freude für mich. Was ich gerne singen möchte ist Kundry in Parsifal und Venus in Tannhäuser.

Gewähren Sie uns einen Blick in Ihre Zukunft?

BARTHA: Ich habe noch so viel zu machen. Die Zeit ist ein sonderbar’ Ding, heißt es im Dialog der Marschallin aus "Der Rosenkavalier". Ich möchte sie nutzen, möchte für die nächsten zehn Jahre auf der Bühne stehen. Ich liebe meine Kinder und die Bühne über alles. Später möchte ich gerne auf der anderen Seite des Theaters sitzen. Wenn ich einmal nicht mehr auf der Bühne stehe, möchte ich gerne im Theater- und Konzertbereich tätig sein. Mein Traum wäre ein Ensemble, ein Theater zu haben, jungen Sängern zu helfen, eine Oper zusammenstellen, Dirigenten und Regisseure auswählen. Ich möchte helfen und meine Erfahrung weiter geben. Ein Theater besteht aber nicht nur aus jüngeren Kräften, sondern aus einem Ensemble, das man sehr gut nutzen muss. Die großen, dramatischen Opern erfordern etwas mehr Erfahrung. Man muss gut wissen, wo man alle richtig einsetzt, ein Näschen für den richtigen Regisseur und den richtigen Dirigenten haben, auch mal etwas  riskieren. Ich bin immer noch dabei, zu lernen. Die jungen Sänger wissen oft nicht, wie sie sich präsentieren sollen. Wunderschöne Stimmen sind sehr wichtig, aber man muss auch das gewisse, besondere Etwas haben.

© Fränkische Nachrichten - 06.05.2006

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