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Jahresprogramm 2006

Ein kulturelles Glanzlicht (am Mittwoch, den 24.05.2006)

Zum Ausklang der Mozartfestwoche, die der Förderkreis Bronnbacher Klassik im Rahmen der "Bronnbacher Kultouren" 

Mozartjahr feierte, war das wegen großer Nachfrage zweimal präsentierte Abschlusskonzert im jeweils voll besetzten Bernhardsaal ein weiteres kulturelles Glanzlicht. Während das abendliche Ambiente in der Klosteranlage einen passenden Rahmen für das ausverkaufte erste Konzert am Samstag bot, wurden die Besucher der Matinee am Sonntagmittag nach dem Konzertbesuch zusätzlich mit einem Mozart-Mai-Brunch verwöhnt.

Im Namen des Förderkreises und seines Vorsitzenden Prof. Schmidt hieß der frühere Landrat Georg Denzer alle Gäste zum wiederholten, ursprünglich nicht geplanten Abschlusskonzert willkommen. Wegen der großen Nachfrage habe sich Prof. Schmidt entschlossen, diese Matinee zu ermöglichen. Der Vorstand freue sich sehr, dass der Mozartfestwoche ein derartiger Erfolg beschieden sei, "den wir uns in den kühnsten Träumen nicht erhofft hatten". Sein besonderer Dank galt deshalb Prof. Schmidt und seiner Frau Clarry Bartha sowie den Gästen aus Rumänien. Dank seiner exzellenten Verbindungen und der tatkräftigen Unterstützung von Sponsoren sei es Prof. Schmidt gelungen, ein wirklich überragendes Programm zusammenzustellen. Weitestgehend habe der Förderverein auf öffentliche Hilfe verzichten können, wobei dem Main-Tauber-Kreis zu danken sei, dass er die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hat. Ansonsten habe der Förderverein die Mozartfestwoche mit den Sponsoren selbst geschultert. Wie schon bei den vorangegangenen Orchesterkonzerten spielte die Philharmonie Moldava unter der musikalischen Leitung von Prof. ReinerSchmidt. Nach den Ouvertüren der Mozart-Opern "Don Giovanni" und "Die Zauberflöte" in den ersten zwei Konzerten interpretierte das rumänische Ensemble diesmal die musikalische Eröffnung von "Figaros Hochzeit". Mit dem Rezitativ und der Arie für Sporan und Orchester "Ah, lo previdi" und einer Scena mit Rondo für Sopran "Non piu, tutto ascoltai" bot Clarry Bartha

mit ihrem dunkler gefärbten Sopran einen musikalischen Hochgenuss; sie sang geschmeidig und mit einem stimmlichen Glanz, der auch in den Höhen erhalten blieb. Mitten in das turbulente Geschehen von Figaros Hochzeit, der im Repertoire fast aller Opernhäuser am häufigsten gespielten Mozart-Oper, führte die Sopranistin Clarry Bartha mit einer Zugabe als pubertierender Page "Cherubino", der seine neu erweckte Liebe zu den Frauen besingt. Clarry Bartha arbeitet weltweit freischaffend als Konzert- und Opernsängerin und genießt als Interpretin der großen Rollen ihres Fachs (etwa als Contessa Almaviva, Agathe, Fiordiligi, Desdemona, Tosca) hohes Ansehen.

 

Die nach der Pause zur Aufführung gelangte Sinfonie C-Dur KV 551 gehört zur Trias der drei letzten Sinfonien, die Mozart als Komponist im Sommer 1788 in insgesamt nur etwa acht Wochen vollendete. Ob es der Pianist Johann Baptist Cramer (1771-1858) oder der englische Konzertunternehmer Johann Peter Salomon (1745-1815) war, der dem Werk den populären Beinamen Jupitersinfonie verpasst hat, ist umstritten. Der oberste Gott der alten Römer steht jedenfalls für Klarheit, Kraft und dafür, aus jeder noch so verwickelten erotischen Beziehung einen Ausweg zu finden. Das passt zur Kühnheit des ersten Themas des Kopfsatzes mit seinen fünf Oktavsprüngen. Die Philharmonie Moldova vermittelte dem begeisterten Publikum eine vom Komponisten bis ins Letzte durchgearbeitete Musik, die etwa aus einfachen vier Tönen im Finalsatz mit größter Kunstfertigkeit die Synthese aus Altem und Neuem, aus Strenge und überbordender Vitalität schafft. Mozart jongliert mit fünf verschiedenen Motiven, die einander folgen, sich unterbrechen oder zugleich erscheinen. Schwindlig mag auch dem werden, der dieses analysieren kann; doch das Vertrackte eines kompletten Sinfoniesatzes schmälert das Hörvergnügen des musikalischen Laien nicht im Geringsten.

Prof. Reiner Schmidt sorgte am Pult für das ausgereifte Zusammenspiel der Streichergruppen, das auch in den langsamen Passagen der in klassischer Form gehaltenen vier Sätze nie an Spannung verlor. Mit der Jupiter-Sinfonie brachte er die rumänischen Musiker damit weit über das Stadium purer Notenbewältigung hinaus. Der überwältigende, langanhaltende Applaus des Publikums klang wie das gemeinsame Dankeschön der weit über 1000 Musikfreunde, welche insgesamt diese niveauvolle und begeisternde Mozartfestwoche im Kloster Bronnbach erleben durften. ferö

© Fränkische Nachrichten - 24.05.2006

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