[*pagetitle*]

Jahresprogramm 2006

Vollendeter Genuss bis zum letzten Ton (am Donnerstag, den 18.05.2006)

Vollendeter Genuss vom ersten bis zum letzten Ton, so ließe sich das Konzert des Bronnbacher Mozartfestivals, das am Mittwochabend in der Klosterkirche stattfand, mit wenigen Worten treffend beschreiben. Der veranstaltende Förderkreis der Bronnbacher Klassik hatte für dieses dritte von insgesamt fünf Konzertabenden drei der schönsten und  harakteristischsten Werke des vor 250 Jahren geborenen Komponisten ausgesucht - und die dazu bestens passenden Interpreten. Das Orchester "Moldova" aus Iasi/Rumänien wurde von Prof. Reiner Schmidt dirigiert und das Pianisten-Ehepaar Michaela Schlotter und Rudolf Ramming brillierte zusammen mit den dreißig Musikern auf eindrucksvollste Weise beim Konzert für zwei Klaviere und Orchester Es- Dur KV 365.

Die gesamte Konzertwoche und damit auch das im Zentrum des Festivals stehende Orchesterkonzert wurde von zahlreichen Sponsoren, darunter den Fränkischen Nachrichten, unterstützt. Die herzhaften Klänge der Ouvertüre zur Oper "Don Giovanni" KV 527 strahlten unbeirrbare Musizierfreude aus. Ob man wirklich, wie im ausführlichen Programmheft über frühere Rezensenten nachzulesen, ein Strafgericht für Don Juan oder die dröhnenden Schritte des steinernen Gastes hineininterpretieren sollte? Die herrliche Musik konnte durchaus ohne tiefgehende außermusikalische Rechtfertigung genossen und verstanden werden, auch wenn sie als Ouvertüre natürlich passend zur Handlung der Oper komponiert wurde.

Das Konzert für zwei Klaviere und Orchester Es-Dur stammt aus einer für Mozart eher unglücklichen Lebensphase: Seine Mutter war gestorben, seine erste Liebesbeziehung in die Brüche gegangen, dazu kam eine immer größer werdende berufliche Unzufriedenheit. Typisch für Mozart ist, dass seinem musikalischen Schaffen solche belastenden Umstände nicht anzumerken sind. Auch in diesem Klavierkonzert lässt der Komponist in keinem einzigen Moment von der lebendigen Grundstimmung ab.

Die Musiker begannen äußerst filigran und präzis, das Pianistenehepaar setzte zunächst einzeln, dann gemeinsam und schließlich im Wechsel mit dem Orchester das erfrischende tänzerische Wechselspiel fort. Besonders beeindruckten die kadenzartigen Zwischenspiele der beiden Flügel und der danach nahtlos einsetzende Orchesterklang. Chromatische Durchgänge im "Andante" und nach gut vorbereiteten Trugschlüssen mündete das ungeheuer lebendige, virtuose "Presto" schließlich in lang anhaltenden Applaus. Dirigent und Solisten mussten sich oft verbeugen, um die Beifallsbekundungen entgegenzunehmen. Michaela Schlotter und Rudolf Ramming bedankten sich mit zwei vierhändigen Zugaben von Brahms und Mozart.

Mit der "Prager Sinfonie" KV 504 setzte das Orchester den Hörgenuss nach der Pause fort. Aus zunächst einzeln in den Raum gestellten Akkorden entwickelte sich langsam das bewegte Streicherthema. Im ruhigen "Andante" kosteten die Violinen ihre Rubati fast romantisierend, aber immer noch passend, aus. Das "Presto" machte seinem Namen alle Ehre, wurde aber an keiner Stelle atemlos oder gar unsauber. Von den drei Sätzen war dieser abschließende auch der kontrastreichste. Trompeten und Pauken steigerten den von den Hörnern dezent vorbereitenden festlichen Freudenjubel, aber stets ohne zu scharf und damit aufdringlich zu werden. Die Empfindungen des Publikums drückten sich nach den klangvollen Schlussakkorden in nicht enden wollendem Beifall aus, den Dirigent, Solisten und Orchester dankend und zu Recht sichtlich zufrieden entgegennahmen. Rainer Lange

© Fränkische Nachrichten - 19.05.2006

[zurück]