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Bronnbacher Musikfrühling
Jahresprogramm 2011

Kammerkonzert mit den Rising Stars (am Freitag, den 27.05.2011)

Hoher Anspruch und hohe Qualität Das Wort selbst wird viel zu häufig und häufig zu Unrecht verwendet, doch das Kammerkonzert, das am Mittwoch als Teil des „Bronnbacher Musikfrühlings“ stattfand, war echte Weltklasse.

Mit weniger würden Musiker wie Jonian-Ilias Kadesha und Andreas Feldmann (erste und zweite Geige), Fabio Marano (Viola), Florian Schmidt-Bartha (Cello) und Florian Glemser (Klavier) sich auch nicht zufrieden geben. Sie sind Professorensöhne, Konzertsolisten, Stipendiaten Schweizer Banken, Träger von genügend Preisen um fast drei Seiten im Programmheft zu füllen – und mit Ausnahme Maranos alle unter 22 Jahre alt. Alle studieren oder studierten sie einmal in Würzburg, wo das Ensemble zusammenfand.

Auf dem Programm stand zuvorderst Joseph Haydns Streichquartett Nr. 60 in G-Dur aus dem Jahr 1796, ein Prachtstück Wiener Konzertklassik aus den bekannten „Erdödy- Quartetten“. Vom Adagio bis zum Allegro glänzten die Musiker hierbei am meisten, auch im ungewohnten Menuett fühlten sie sich scheinbar eine Spur heimischer als bei den nachfolgenden, sicherlich makellos, doch konventionell vorgetragenen Stücken der Romantik. Eines davon war der einzige, bis heute namen- und nummernlose Klavierquartettsatz, der durch Glück dem Zorn seines Schöpfers Gustav Mahler entging, als dieser nach dem Studium seine gesamten Jugendwerke vernichtete. Bei der sich dramatisch steigernden Sonate mit dem vielleicht offensten Ende in der Musikgeschichte kam erstmals Glemser am Flügel ins Spiel; seine mutmaßliche Virtuosität kam in der reinen Begleitrolle nicht zur Entfaltung.

Die naturgemäß exponierteste Rolle hatte bis dahin der Athener Kadesha, der mit 19 Jahren auch der Jüngste unter den Jungen ist, und die er mit der Bravour erfüllte, die man, wenn überhaupt von einem Instrumentalist dieses Alters, nur von jemand erwarten kann, der „seinen ersten Unterricht mit vier Jahren von seinem Vater“ erhielt. Den Noten stets penibel treu und im Detail umso expressiver, fiel er vor allem als exzellenter Solist auf. Sehr viel gleichberechtigter waren die einzelnen Stimmen schließlich bei Robert Schumanns Klavierquintett in Es-Dur, einem der wenigen kammermusikalischen Werke es vor allem für Klavierstücke und Lieder bekannten Heros der deutschen Frühromantik. Dem Stück fehlt vielleicht die Bombastik, die spätere Arbeiten von mehr aufs Orchester fixierten Verfassern unsterblich gemacht hat, bildete so aber das perfekte Finale für ein Konzert, das eine hohe Messlatte für die nachfolgenden Gastspiele am Wochenende setzte.

Fränkische Nachrichten 27. Mai 2011

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