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Bronnbacher Musikfrühling
Jahresprogramm 2012

Bronnbacher Musikfrühling (am Samstag, den 12.05.2012)

Florian Glemser Südwestdeutsches Kammerorchester PforzheimTom Woods

Eröffnung des Musikfrühlings: Klavierkonzert mit Florian Glemser

Chopin virtuos und träumerisch


Von unserem Mitarbeiter Dr. Klaus Linsenmeyer


Illustre Töne durchströmten im Eröffnungskonzert des Bronnbacher Musikfrühlings den prächtigen Josephsaal des Klosters, umgeben von frühlingshafter Natur. Man war hingerissen von einem gleichermaßen subtil ausgearbeiteten wie musikalisch umwerfend aufgebauten Konzerterlebnis.

Der junge Nachwuchspianist Florian Glemser stellte sich als enorme Begabung vor. Seine Gedächtnisleistung und brillante Fingertechnik macht ihm so schnell keiner nach. Er hatte sich das Klavierkonzert Nr.1 e-Moll op. 11 von Frédéric Chopin vorgenommen, und nach den ersten Takten seines solistischen Einstiegs die Aufmerksamkeit des Publikums sogleich auf sich gezogen. Als Partner warf sich mit ihm das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim unter der Leitung des australischen Dirigenten Tom Woods in einen lebhaften Wettstreit.

Die fein ausgewogene Wiedergabe des Siegfried-Idylls von Richard Wagner ließ zu Beginn des Abends aufhorchen. Das Orchester beeindruckte durch das ungemein homogene Zusammenwirken, durch die sauber und elegant wiedergegebenen Intonationen der Bläser, durch die genaue Einfühlung in die Anweisungen des Dirigenten, so dass bei der in weiten leisen Bögen hin und her wogenden Komposition die Konzentration des Zuhörens nicht nachgelassen hatte.

Bleiben wir bei Chopin und Florian Glemser. Trotz des dominierenden Klavierparts gab sich der Dirigent bei der Ausgestaltung des bisweilen unterbelichtet konzipierten Orchestersatzes viel Mühe.


Vorbildliches Orchester


Chopins Orchesterbehandlung in diesem Konzert wird oft verstanden als konventionelles Beiwerk. Das vorbildlich agierende Orchester setzte sich munter mit den thematisch und motivisch angelegten Vorgaben auseinander und begriff sich als gleichwertiger Teil des dramatischen Geschehens, wobei sich romantische Unrast gelegentlich zu überbordender Lautstärke hinreißen ließ.

Florian Glemser beherrschte seinen Part fabelhaft sicher, zeigte Chopin von dessen träumerischer Seite und stürzte sich immer wieder mit virtuoser Manier in die aufwühlenden Klangwellen dieses Meisterwerks. Die glänzend funkelnden Passagen nahm der Pianist rasant mit jugendlich frischer Energie bei prickelnden Staccati, was diesem Werk gut zu Gesichte stand. Bescheiden ohne bloße solistische Selbstdarstellung fand Glemser in einem aufwühlend dramatischen Konzept durchaus seinen Platz.

Sprudelndes Temperament

Nur manchmal versuchte ihn sein sprudelndes Temperament zu stärkeren Kraftausbrüchen, welche die Chopinsche Melancholie und Gebrechlichkeit etwas in den Schatten gestellt hatte.

Der Pianist vermied jegliche pathetische Pose, verdrängte falsches Sentiment, verlegte sich scharfsinnig, zupackend und mit atemberaubend technischer Perfektion in das Geschehen dieses in jeglicher Hinsicht anspruchsvollen Solokonzertes.

Die Orchesterkultur bei Wagner übertrug der Dirigent in feinen Nuancen auch auf Arnold Schönbergs "Verklärte Nacht", eine Tonschöpfung nach dem gleichnamigen Gedicht von Richard Dehmel. Tom Woods beachtete sorgfältig die Stim-mungslagen, die atmosphärischen Wechsel und dramatischen Schattierungen, die aus dem Gedicht reflektieren. Selbst die gruseligen, überhitzten und bizarren Aspekte verfehlten nicht ihre Wirkung.

© Fränkische Nachrichten, Montag, 14.05.2012

 

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