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Bronnbacher Musikfrühling
Jahresprogramm 2012

Liederabend mit Christiane Karg (am Sonntag, den 13.05.2012)

Christiane KargBurkhard Kehring

 

Liederabend: Christiane Karg mit Burkhard Kehring

Faszinierend natürlicher Vortrag

An Liederabende setzt man hohe Maßstäbe. Da genügt nicht allein eine schöne Stimme, nicht nur eine ungezwungene technische Beherrschung des Stimmmaterials, sie erfordern den Einsatz der ganzen künstlerischen Persönlichkeit. Denn Kunstlieder sind kostbare klavierbegleitete Sololieder, die sich nicht in volksliedhafter Strophenform und Einfachheit erschöpfen. Der anspruchsvolle Text und seine Umsetzung in eine ausgewogene Interpretation benötigt eine außerordentliche geistige und musikalische Intelligenz, um die stilistischen Besonderheiten herauszufinden.

Einen solchen außergewöhnlich erfüllten Liederabend genoss man am Sonntag im Josephsaal des Klosters Bronnbach beim Bronnbacher Musikfrühling. Die Sopranistin Christiane Karg, am Klavier begleitet von Burkhard Kehring, hatte sich ein stimmlich und inhaltlich schweres Programm vorgenommen, dessen Lieder allerlei Blumen besungen haben, gebunden in einen Strauß duftender kompositorischer Nuancen.

Die Lieder von Richard Strauss, Hugo Wolf, Alban Berg und die französischen Beiträge von Gabriel Fauré, Claude Debussy und Francis Poulenc verlangten ein großes stilistisches Einfühlungsvermögen, das besondere sinnliche Flair, den rechten Esprit, die typische zarte Farbgebung, ein Pendeln zwischen intimer lyrischer Verinnerlichung und expressiver Leidenschaft.

Im diffizilen poetisch-musikalischen Gewebe der "Sieben frühen Lieder" von Alban Berg erlebte man eine bedeutende interpretatorische Prägnanz mit aus der Romantik inspirierten Emotionen. Im unteren dynamischen Bereich wie in den oberen intensiveren Lagen funktionierte ihre Stimme makellos. Und wohlklingende Passagen fanden sich bei der Wiedergabe dieser Lieder zuhauf. Christiane Karg spürte jede Nuance der Texte sensibel auf und überzeugte durch ihre suggestiv-psychologisierende Vermittlungskunst. Warm differenzierte Töne ergänzten sich mit expressiven Ausbrüchen, die niemals unmotiviert oder gar zu störender dynamischer Übersteuerung führten.

Die Sopranistin vernachlässigte in keinem Lied die textgetreue Deklamation und den angemessenen musikalischen Sensus, der aus der jeweiligen Komposition spricht.

Wunderschön hat sie den typischen Charakter der französischen Lieder zur Wirkung gebracht, in subtilen Stimmungen effektvoll nachgezeichnet. Christiane Karg ließ sich nicht zu unerträglichen Künstlichkeiten verleiten, sie bewahrte die faszinierende Natürlichkeit ihres Vortrags. Diese hinderte die Sängerin nicht daran ein persönliches Timbre, eine individuelle Art der Liedgestaltung zu pflegen. Im optimal nach beiden Seiten hin durchmessenen Spannungsfeld zwischen einfacher Schlichtheit und interpretatorisch hoch entwickelter Individualität fand sich der besondere Zauber ihrer empfindungsreich erfühlten Liedwiedergabe.

Das Erblühen der Stimme im Forte bei Strauss und Berg forderte in emphatischen Momenten eine hohe Fieberkurve heraus, die dem romantischen Impetus mit Höhepunkten und Stimmungstiefen exakt zugetan erschien. Ihr Sopran erklang beim Registerwechsel bruchlos, so dass Passagen auch in leisesten Stärkegraden filigran zur Geltung kamen.

Ihr Klavierpartner Burkhard Kehring passte sich haargenau den Ausdrucksmitteln seiner Partnerin an. Er hielt sich mit feinen Anschlagsnuancen dezent zurück, griff auch forsch in die Tasten, wo es der Überschwang der Gefühle erforderte. Und nochmals: Sehr schmiegsam zeigte sich Christiane Kargs ungemein sauber intonierender Sopran, dem reizende Pianoeffekte ohne jegliche Trübung selbst in Spitzenlagen gelang, in denen niemals schrille Tongebungen Höhepunkte in grelles Licht tauchten. kl

© Fränkische Nachrichten, Dienstag, 15.05.201

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