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Bronnbacher Musikfrühling
Jahresprogramm 2012

Abschlusskonzert Bronnbacher Musikfrühling (am Samstag, den 19.05.2012)

Ari  Rasilainen Sinfonieorchester der Hochschule für Musik

Bronnbacher Musikfrühling: Ari Rasilainen dirigierte

Massige Partitur entlüftet

Ein beglückendes Konzert erlebten die Zuhörer zum Abschluss des Bronnbacher Musikfrühlings in der Klosterkirche. Das Sinfonieorchester der Hochschule für Musik Würzburg gastierte unter der Leitung von Ari Rasilainen, der die dortige Dirigierklasse betreut.

Dass Ergebnis konnte sich hören lassen. Die zahlreichen jungen Instrumentalisten spielten unverbraucht motiviert. Den Enthusiasmus ihres Musizierens, ihre Hingabe und Freude bei der Ausgestaltung der tiefsinnigen Musik konnte man ihnen förmlich an den Augen ablesen. Da schleichte sich kein Schlendrian ein. Klangschönheit von den Streichern bis zu den Bläsern erblühte in frühlingshafter Frische.

Kein anderes Konzert wurde dem Motto des diesjährigen Musikfrühlings "In Memoriam" mehr gerecht als dieses. Die Aufführung nämlich wurde zu Ehren Reiner Schmidts gegeben, dessen Schüler als Bratschisten im Orchester mitgewirkt haben.

Eine melancholische Traurigkeit mit gelegentlicher Aufhellung klingt aus dem eingangs gespielten Valse triste op.44/1 von Jean Sibelius, bei dessen Wiedergabe sanft intonierende Streicher auffallend angenehm ins Ohr fielen. Exzellente Klangkultur also zierte schon den Anfang des Konzertes.

Nordisch ging es weiter mit einer Folge von Liedern des finnischen Komponisten Yrjö Kilpinen, der von den zeitgenössischen Kritikern häufig als "finnischer Schubert" bezeichnet wurde. In der Tat fällt in der Liedfolge aus Tunturilauluja op.52 und op.54 eine vornehme gesangliche Melodik auf, deren Orchesterbegleitung gefühlsreich auf die überwiegend an der Natur und der Liebe orientierten Texte eingeht.

Der seriöse und mit einer stattlichen sonoren Stimme ausgezeichnete Bariton Jouni Kokora war diesen stimmungsvollen Liedern ein idealer Interpret. Er erfasste einfühlsam den elegisch-lyrischen Gehalt der Tonsprache Kilpinens. Das Orchester begleitete den Sänger behutsam, wenngleich es bei stärkeren Ausbrüchen schon mal die Singstimme kräftiger übertönte.

Nach der Pause kam der Höhepunkt. Die Darbietung von Peter Tschaikowskys 5.Sinfonie e-Moll op.64 brachte Überwältigendes zu Wege. Mit einem bunten Wechselspiel solistisch eingesetzter Bläser, mit den vielen motivischen Verarbeitungen und Verdichtungen bis hin zum strahlenden Tutti der Blechbläser, mit den Veredelungen der Tonbildung auf allen Instrumenten und mit dem wohlig homogenen Zusammenklang führte das ansehnliche Orchester jene prächtige Sinfonie vom düsteren Moll zum festlichen Jubel des letzten Satzes.

Dirigent Rasilainen entlüftete die massige Partitur, peitschte nicht den Kosmos dieser Schicksalssinfonie um jeden Preis durch, war bedacht auf fein ziselierte Bewegungen der Holzbläser.

Hier durften Leidenschaften aufbrodeln, das Pathos auftrumpfen und ein Wühlen in Gefühlen stattfinden.

Erlaubt war die weit ausholende musikalische Geste, deren schmetternder Wucht sich einschmeichelnd zarte Miniaturen entgegenstellten. Die tüchtigen Musikstudenten erreichten eine klarsichtige und differenzierte Orchesterkunst, die neben Klangballungen und sensibel ausgeleuchteten Episoden das Finale der Sinfonie zu einem wahren Triumph ausarten ließen.

© Fränkische Nachrichten, Montag, 21.05.2012

 

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