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Bronnbacher Musikfrühling
Jahresprogramm 2012

Symphoniekonzert mit Bernd Glemser (am Mittwoch, den 16.05.2012)

Oleg CaetaniBernd Glemser Nürnberger SymphonikerSören Uhde

Brahms-Meisterwerke: Konzert in der Klosterkirche

Virtuosität im Dienst der Aussage

Zwei Meisterwerke von Johannes Brahms krönten das Sinfoniekonzert beim Bronnbacher Frühling in der Klosterkirche: das Doppelkonzert für Violine, Cello und Orchester a-Moll op.102 und das Klavierkonzert Nr.2 B-Dur op. 83.

Der Geiger Sören Uhde und der Cellist Florian Schmidt-Bartha verstanden sich in einmütigem künstlerischen Gedankenaustausch, pflegten wunderschöne Töne, wohingegen Bernd Glemser die teutonische Schwere des energisch Furore machenden Klavierkonzertes erheblich entrümpelte.

Als völlig gelöst musizierende Leichtgewichte entpuppten sich ihre Solopartien dank ihrer einfühlsamen Meisterschaft, leuchtende Töne zum Erklingen zu bringen, die sich auf das Orchester der Nürnberger Symphoniker unter dem Dirigenten Oleg Cajetani nahtlos übertragen hatten. Keiner der Vortragenden spielte den anderen an die Wand. Technische Probleme lösten sie elegant. Die Kombination dieser Künstler entpuppte sich als Glücksfall, zumal sie sich auf gleicher Wellenlänge bewegten und die Schönheiten der Tonsprache in diesem Brahms-Konzert voll zur Geltung brachten. Dadurch verlor ihr Spiel keinen Augenblick an Spannung. Farben kamen blühend zur Wirkung, weil sich die Musiker einer ruppigen oder gar widerborstigen Tonsprache entgegenstellten.

Die Solisten und der Dirigent vernachlässigten nicht die Gewichtung der musikalischen Inhalte, so dass die formale Struktur der Komposition nicht aus dem Lot fiel. Das Orchester verlegte sich auf eine gewisse mühelose Eleganz und auf die nötige Intensität, der es an der gehörigen Inspiration nicht mangelte.

Die geschmeidigen Cello-Kantilenen des jungen Schmidt-Bartha verbunden mit der ebenso anschmiegsamen Violine Sören Uhdes betörten angenehm das Ohr. Entspannt, spielfreudig und sorgfältig intonierend verbanden sich ihre melodischen Vorgaben zu einer betörenden klanglichen Einheit.

Die Wiedergabe des Klavierkonzerts B-Dur von Brahms fand in Bernd Glemser einen ungemein brillanten, von jeglicher Erdenschwere befreit ausformenden Pianisten, dessen flammende Gestaltung am wohllautenden Bösendorfer-Flügel zur vollen Blüte führte und barbarisches Donnerwetter in diesem schweren Koloss verscheucht hatte. Sein Spiel vermied Dickflüssigkeit, wirkte ungewöhnlich elastisch, beteiligte sich lebhaft am Wechselspiel mit dem Orchester. Der für dieses Konzert erforderliche pianistische Virtuosenaufwand diente Glemser nicht bloß zur akrobatischen Selbstdarstellung, resultierte vielmehr aus dem Selbstbewusstsein des aus erlebter Willensfreiheit handelnden Interpreten.

Die Nürnberger Sinfoniker dienten Glemser als ausgewogen und temperamentvoll miteifernder Partner. Unter der Stabführung von Oleg Cajetani erklang dieses teilweise sehr eckige und kantige Werk in verschiedenen Facetten gut ausgeleuchtet. Glemser zeigte sich wie gewohnt in Höchstform. Er zog alle Register seines eminent fulminanten Könnens und präsentierte sich als Meister der fein-sensiblen Farbgebung und des energisch zupackenden Zugriffs. Nach dramatischen und eruptiven Klangausbrüchen fand der Pianist immer wieder auch den richtigen Anschlag für die expressiv auflodernden Klangblitze.

Mit voller Innerlichkeit gelang ihm der langsame Satz, leidenschaftlich der zweite Satz, voll Temperament und locker federnd der Finalsatz nach Art einer überschäumenden Rondo-Apotheose, tänzerisch "grazioso", von schlendernder Lässigkeit und auch hier ohne belangloses Getöse.

Trotzige Wut stand neben sehnsüchtiger Emphase, ruhevolle und grüblerische Episoden neben aufbrausenden Fluten emotional aufgeladener Gefühlskurven. kl


© Fränkische Nachrichten, Freitag, 18.05.2012

 

 

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