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Herbstkonzert
Jahresprogramm 2012

Herbstkonzert mit Liedern und Schlagern der 30er und 40er Jahre (am Samstag, den 13.10.2012)

Michal ShamirMoshe Zorman

 

Herbstkonzert

Wo sind die Tränen von gestern Abend?
Lieder und Schlager der 30 er Jahre und 40er JAhre

Kurt Weill • Hanns Eisler

Michal Shamir, Sopran

Moshe Zorman, Klavier

Prof. Lutz Koppetsch - Percussionn/Shlagzeug

Prof. Mark Lutz - Saxophon

Christian Hengel - Fagott

Marian Paduraru - Kontrabass

 
 
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Herbstkonzert: Die Sopranistin Michal Shamir, Pianist Moshe Zorman und Würzburger Ensemble präsentierten in Bronnbach Lieder und Schlager der 30er und 40er Jahre

An Dramatik kaum zu übertreffen

Von unserer Mitarbeiterin BarbaraTomczak

Die Darbietung der Sopranistin Michal Shamir am Samstag im Bronnbacher Bernhardsaal war an Dramatik und Ausdruckskraft kaum zu übertreffen.

© Barbara Tomczak


Von unserer Mitarbeiterin BarbaraTomczak

Blutrotes Scheinwerferlicht tauchte die Bühne am Samstagabend im Bernhardsaal des Bronnbacher Klosters in eine schier angsteinflößende Atmosphäre. Die Darbietung der Sopranistin Michal Shamir, des Pianisten Moshe Zorman und des Würzburger Ensembles zu den Liedern und Schlagern der 30er und 40er Jahre war an Dramatik kaum zu übertreffen.

Perfekt inszeniert zeigte sich das internationale Ensemble, deren Auftritt im Bernhardsaal vom Förderkreis Bronnbacher Klassik ermöglicht wurde. Besonders die israelische Sängerin Shamir wusste sich gekonnt in Szene zu setzen und dominierte die Darbietung mit ihrer den ganzen Raum erfüllenden Art.

Erst als schon einige Takte des den Abend eröffnenden Liedes erklungen waren, schritt sie durch das Publikum auf die Bühne. Keine der Melodien sang sie einfach nur - anstatt dessen fühlte sie sich in jede Rolle wieder neu ein. Damit war der Abend mehr als ein Konzert, sondern auch ein ergreifendes Theaterstück über die Liebe und deren schmerzvolles Ende.

"Glaubst du denn, dass nur der Mund spricht? Augen sind wie Fensterglas", sang Shamir in Weils Stück "Es regnet". In diesem Sinne verkörperte sie in Gestik und Mimik die Protagonisten der Geschichten, die mit den Liedern erzählt werden. Sie sang über Herzschmerz, Betrug, Sehnsucht und Wahnsinn.

In dieses Schauspiel musste sich der Zuhörer jedoch erst einfühlen: Die überakzentuierte Art Shamirs und die begleitenden Instrumente, die überraschend schnell von einer Emotion in die andere flüchteten, machten es zunächst schwierig, die gesungenen Texte nachzuempfinden.

Dies änderte sich spätestens mit dem Beginn des zweiten Konzertteils, als man sich als Zuhörer an die dramatische Aufmachung aus Lichtshow und die fast schon übertrieben emotionale Darbietungsweise gewöhnt hatte: Hinter all dem wurde ein wahrer Kern an Gefühlen erkennbar, mit denen sich jeder identifizieren konnte. Der Applaus wurde bis zum Ende des Konzerts von Lied zu Lied immer lauter.

Auch die anderen Künstler zeigten bei den Stücken von Brecht, Weill, Eisler und anderen Komponisten eine einwandfreie Leistung. Von zarten Klängen bis hin zu lauten rhytmischen Schlägen verkörperten sie die besungenen Empfindungen.

Am Schlagzeug saß Prof. Mark Christopher Lutz und am Saxophon überzeugte ProfessorLutz Koppetsch. Auch zwei Studenten der Hochschule für Musik Würzburg schafften es auf das Parkett: Christian Hengel übernahm das Fagott und Marian Paduraru spielte den Kontrabass.

Begleitet wurde der musikalische Teil durch die Moderation von Torsten Schröder. Zitate aus bekannten Werken von Berthold Brecht, Erich Kästner und anderen unterstrichen in literarischer Form das Gefühlschaos, welches das Ensemble präsentierte. Sie machten auch deutlich, wie normal es ist, dass jeder einmal in der Liebe enttäuscht wird: Das Gefühl, so schrieb Kästner, könne ganz plötzlich verloren gehen, "wie anderen Leuten ein Stock oder ein Hut." Die vielen Facetten dieses Kummers wurden am Abend besungen: Die Sehnsucht, die Trauer, die Wut und der Hass. Wirkte die dramatisierende Art der Musiker anfangs noch befremdlich und unnahbar, so wurde zum Ende klar, dass diese Emotionalität nur authentisch ist. Nicht nur musikalisch konnte deswegen das Publikum begeistert werden. Auch wurden die Zuhörer darüber zum Nachdenken gebracht, welchen Reichtum an Empfindungen jeder von uns in sich trägt.

© Fränkische Nachrichten, Montag, 15.10.2012

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