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Bronnbacher Musikfrühling
Jahresprogramm 2009

David Coleman und die Nürnberger Symphoniker (am Montag, den 25.05.2009)

David Coleman Nürnberger Symphoniker

Zur Eröffnung des "Bronnbacher Musikfrühlings" lud der Förderkreis Bronnbacher Klassik am Samstag zu einem Konzert in die Klosterkirche Bronnbach. Mit den Nürnberger Symphonikern hatte er ein nicht umsonst sehr populäres Orchester eingeladen. Unter David Coleman spielte es vor fast voller Kirche die Ouvertüre zu Joseph Haydns zehnter Oper, "L'isola disabitata", Sergej Rachmaninoffs zweites Klavierkonzert und Pjotr Tschaikowskis sechste Symphonie.

Dass es dabei mit widrigen Umständen zu kämpfen hatte, merkte man ihm kaum an. So mussten einzelne Teile des Orchesters wegen des Platzmangels vor dem Altar weit abgelegen oder versteckt untergebracht werden, und als "blinde Passagiere" nahm eine Schwalbenfamilie an dem Konzert teil. Eine Tugend machte das Orchester aus dem übervollen Hall der Kirche, der seinem Klang große Tiefe verlieh, Feinheiten der Streicherparts aber vor allem im hinteren Teil der Kirche leider überdeckte.

Dass Coleman das Orchester nach nur einer gemeinsamen Probe zum ersten Mal öffentlich dirigierte, merkte man dem hervorragend eingespielten Klangkörper, der sich aufmerksam seiner präzisen, direkten Leitung unterwarf, nicht an. Für Rachmaninoffs Klavierkonzert hatte man den Flügel mit Yoko Kikuchi würdig besetzt.

Zusammen mit dem Orchester entführte sie das Publikum bei diesem 1900 entstandenen Werk des "letzten Romantikers" durch abwechslungsreiche Traumlandschaften, unerzählte Abenteuer und bis in die Tiefen reiner Emotion. In ihm mischen sich westliche, anmutige Melodien nahtlos mit kaftvoll-russischem Schwermut, wellenartig und flüssig folgt Temperament auf Trauer wie der Frühling auf den Winter. Rachmaninoff hatte es während einer Hypnosetherapie geschrieben, nachdem der Misserfolg seines ersten Klavierkonzerts ihn in Depressionen gestürzt hatte. Die Wandlung, die er zwischen den beiden Werken durchgemacht hatte, verblüffte bereits damals die Kritiker; zum Dank widmete er das neue Konzert seinem Therapeuten Nikolaj Dahl. Nur sieben Jahre älter, aber deutlich klassischer angelegt ist Tschaikowskis sechste und letzte Symphonie, die "Pathétique". Berühmt ist sie vor allem für ihren Schlusssatz, eine monumentale Umsetzung bodenloser Hoffnungslosigkeit, die sich stark vom unruhigen, aber auch majestätischen und folkloristischen Rest des Werkes absetzt.

Tschaikowski ersann seine Sechse von Anfang an bewusst als Abschluss seines Lebenswerkes. Geschrieben hat er sie, laut eigenem Bekunden, unter größten Qualen - seiner Mäzenin und Vertrauten beraubt, wegen seiner Homosexualität diffamiert, nach Jahren der rastlosen Wanderung und des selbstgewählten Eremitentums. Die Umstände seines Todes, der ihn nur neun Tage nach der Uraufführung der Pathétique ereilte, sind bis heute widersprüchlich. Diese schwer in Worte zu fassende Abschiedsstimmung eines des Lebens überdrüssigen Melancholikers übertrugen die Symphoniker restlos aufs Publikum, in dem man sogar einige zu Tränen gerührte Gesichter vernehmen konnte. Als der letzte Ton verklungen war, gab es ein paar lange Sekunden der Stille, der Fassung - und erst dann überschwänglichen Applaus. Da bleibt nur zu hoffen, dass der Rest der Saison in Bronnbach dem beeindruckenden Beispiel des Eröffnungskonzertes folgt!

Alexander Gutmann

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